Dienstag, 23. April 2013

Erzkatholisch - aber böse und laut!!!

Avantasia - klingt nach Abenteuer, Fantasy und Bombast Rock. So urteilte neulich ein Freund von mir, der Avantasia nicht kannte. Und mit dieser Einschätzung lag der Gute auch richtig. Avantasia - das ist das Sideproject von Edguy Mastermind Tobias Sammet. Nein, nicht Matthias Sammer. Tobias Sammet. Sowas wie der Hofnarr des Heavy Metal. Ein workaholic vor dem Herrn. Kaum hat er eine Edguy Platte mit der zugehörigen European oder gar World Tour promotet, schon schreibt er wieder wie wild Songs für ein neues Avantasia Werk, welches sodann natürlich auch gleich mit einer Tournee um den Erdball den Fans näher gebracht wird.

Ende März 2013 war es wieder soweit. Das neueste Avantasia Opus "The Mystery of Time" steht seither in den Läden oder ist als Download verfügbar. Prompt startete dazu auch am 12. April "The Mystery World Tour", welche Tobi und seine All Star Band (dazu gleich mehr) bis 10. August in 20 Länder führen wird. Das Besondere an dieser Tour ist, daß Avantasia auf einen Support Act verzichten, um selbst drei Stunden lang auf der Bühne zu stehen. (Festivalauftritte natürlich ausgenommen).

Am 20. April machte die Rock Oper Station in Fulda, Tobi's Heimatstadt. Zusammen mit meinem Filius Hendrik machte Ich mich nachmittags auf den Weg in die alte Bischofsstadt in Hessen. Dieses Konzert war mein Geburtstagsgeschenk für Hendrik. Um etwa viertel nach vier waren wir am Esperanto Hotel mitsamt zugehöriger, 5.000 Mann fassenden gleichnamigen Halle angekommen. Schon wenige Minuten darauf trafen wir Kilian, einen Arbeitskollegen von mir und seine Schwester Regina, die ein riesiger Tobi Fan ist und auch die Edguy Konzerte besucht.

Da Hendrik und Ich Sitzplatz Tickets hatten (ja, man kann auch bei einem Metal Konzert sitzen) war es für uns unerheblich, wann wir in der Halle sein würden. Unsere Plätze waren uns ja sicher. Also erkundeten wir noch ein wenig Fulda und trafen dort auf jede Menge Avantasia- und sonstige Metalfreaks. 



Doors open war für 18:00 Uhr angesetzt, doch die Ordner ließen die wartende Menge schließlich schon einige Minuten eher ein. Nachdem wir uns nach dem Einlaß zunächst einmal ein aktuelles Tour Shirt sicherten, kauften wir uns noch etwas zu trinken und begutachteten dann unsere Sitzplätze. Genial. Beinahe mittig in der Halle mit perfekter Sicht zur Bühne und - wie sich herausstellen würde - optimalem Sound.

Wir mußten allerdings noch einmal runter ins Foyer, denn mittlerweile war Tatjana mit ihrem Mann Andreas angekommen und wir hatten uns zuvor für ein kleines Treffen verabredet. Toll, eine junge Frau Mitte 20, die auf Classic Rock, 80er Rock und Metal steht. Eine solche gibt es - leider - nicht an jeder Ecke.

Doch jetzt zur Show: 19:00 stand auf den Tickets, doch Tobi und seine Band ließen noch eine halbe Stunde verstreichen, ehe sie um kurz vor halb acht auf die Bühne kamen. Zu waberndem Nebel erklang Richard Strauss' "Also sprach Zarathustra", ehe Avantasia mit "Spectres", dem Opener des aktuellen Albums, selbst ins Geschehen eingriffen. Mit "Invoke The Machine" und "Black Orchid" - meinem persönlichen Lieblingstrack von "The Mystery of Time" wurden gleich zwei weitere Stücke des neuen Longplayers gespielt. 

Zwischenzeitlich war auch der erste Gastsänger auf der Bühne, denn Avantasia wäre nicht Avantasia, gäbe es nicht eine Reihe von Gastauftritten, sowohl unter den Vokalisten, als auch unter den Instrumentalisten. Ein Avantasia Album ist niemals eine Abfolge einzelner Songs, sondern es liegt immer ein Konzept zu Grunde. Die verschiedenen Sänger übernehmen dabei jeweils die Rolle eines bestimmten Charakters, der im Laufe der Geschichte immer wieder auftaucht.



Auf TMOT geben sich Joe Lynn Turner (Rainbow, Deep Purple), Biff Byford (Saxon), Michael Kiske (Helloween, Unisonic), Ronnie Atkins (Pretty Maids), Eric Martin (Mr Big), Bob Catley (Magnum) und die Sängerin Cloudy Yang ein Stelldichein. Kiske, Atkins, Martin und Catley sind Teil der aktuellen Avantasia Tour, dazu gesellen sich die wundervolle Amanda Somerville (Trillium) und Thomas Rettke (Heavens Gate) als Background Vocalisten, die allerdings auch ihre Leadvocal Einsätze haben. Amanda Somerville darf dabei sämtliche weiblichen Parts der diversen Avantasia Werke übernehmen.

Der erste dieser special guests war nun also Ronnie Atkins, der sehr sympathisch rüberkam und nicht nur mit Tobi scherzte, sondern auch das Publikum mit einbezog. Ihm folgte Michael Kiske, der trotz Erkältung seinen Part hervorragend meisterte. Zwischen ihm und Sammet entsann sich folgender Dialog: Kiske: "Fulda ist ja deine Heimatstadt. Und die Fuldaer sind echt nett." Sammet: "Ja, die sind nett. Aber das hier ist ein Heavy Metal Konzert. Da ist man nicht nett. Da ist man böse und laut." Und nach kurzem Nachdenken setzte er hinzu: "Erzkatholisch - aber böse und laut."

Mittlerweile auch bei älteren Songs wie "Reach out for the Light", "Breaking Away", "Scales of Justice" oder "The Scarecrow" angekommen, waren mit Bob Catley, Eric Martin und Thomas Rettke alle Sänger im Spotlight gestanden. Allerhöchste Zeit für die Powerballade "Farewell" aus dem Avantasia Debut "The Metal Opera Pt 1", wo die Holländerin Sharon den Adel (Within Temtation) einen merk - würdigen (in des Wortes wahrsten Sinne) Mittelteil singt, der hier von der stimmgewaltigen, umwerfenden Amanda Somerville übernommen wurde. Zuvor hatte die Amerikanerin mit Tobi bereits das als Single ausgekoppelte Duett "Sleepwalking" intoniert. Auch Bob Catley sei hier nochmal extra genannt. Der 65jährige Engländer ist immer noch top bei Stimme und sein Auftreten hatte schon beinahe etwas Würdevolles.

Neben den famosen Auftritten der Vokalisten darf auf keinen Fall die großartige Band vergessen werden. Neben Tobi's Edguy Kumpel Felix Bohnke an den Drums setzte sie sich aus dem von vielen Metalalben bekannten Produzenten Sascha Paeth (Leadguitars), dem vielseitigen Oliver Hartmann (Leadguitars), Andre Wagenführ (Bass) und dem Studiotechniker /  Musiker Michael "Miro" Rodenberg zusammen. Allesamt eher mehr als weniger aus dem Edguy / Avantasia Dunstkreis bekannt. Hartmann durfte auch selbst Leadvocals übernehmen. Klar, bei seiner nach ihm benannten eigenen Band ist er ja schließlich auch der Sänger.

Waren zu Beginn des Konzertes die einzelnen Gaststars noch jeweils allein mit Tobi und der Band auf der Bühne, fanden sich mit zunehmender Dauer manchmal gleich drei von ihnen zeitgleich im Rampenlicht. In immer wechselnden Kobinationen konnten sie sich durchweg alle profilieren.



Nach einundzwanzig (!!!) Songs und zweieinhalb Stunden ohne Pause war das reguläre Set des Gigs beendet. Doch nach donnerndem Applaus und lauten Zugabe, Zugabe Rufen kamen Avantasia für drei weitere Stücke auf die Bühne zurück. Unter den Extra Songs fand sich auch "The Seven Angels", einer der typischen Longtracks von Avantasia, den die Band vor dieser Tour noch nie live aufgeführt hatte.

Drei Stunden und 15 Minuten nach "Zarathustra" war mit dem Schlußakkord von "Sign of the Cross" der letzte Ton verklungen. Dreifuffzehn lang eine perfekte Metal Show. Keiner der über 4.000 Fans verließ enttäuscht den Saal. Nein, Ich habe nicht jeden Einzelnen gefragt, aber wenn ich an die zufriedenen, glücklichen Gesichter der Metalheads denke (übrigens sah Ich auch eine Frau mit Rollator im Publikum. Echt) dann weiß ich, daß ich mit meiner Vermutung nicht daneben liege.

Der gut einhundert Meter langen Schlange vor dem Kassenautomaten im Esperanto Parkhaus entgingen Hendrik und Ich, nachdem uns eine junge Frau den Tipp gab, das Parkticket doch an der Rezeption im Hotel entwerten zu lassen. Dort ging es ratz - fatz, denn kaum einer der Wartenden wusste von diesem Trick. Und so waren wir schon um zwanzig nach zwölf in der Nacht auf Sonntag wieder in der Heimat. Im (mentalen) Gepäck die Erinnerung an ein geiles Konzert von und mit AVANTASIA.                     

Hier geht's zu einer Bilderstrecke des Konzertes von der Fuldaer Zeitung

Dienstag, 16. April 2013

Prog Monster der 70er - John Lees' Barclay James Harvest in concert

Als im Oktober 2012 eine Deutschland Tournee von John Lees' Barclay James Harvest bekanntgegeben wurde und einer der Termine die Band in meinen persönlichen Lieblingsclub was Live Music Venues angeht führen würde, war für mich klar, daß ich bei diesem Event vor Ort sein würde. Der Club ist natürlich der Colos Saal in Aschaffenburg, der wenige Tage vor dem Auftritt von JLBJH mit dem LEA (= LiveEntertainmentAward) als bester Musik Club Deutschlands 2012 ausgezeichnet wurde.

Für die weniger im Classic oder Prog Rock Bereich bewanderten unter meinen Lesern sei gesagt, daß es seit 1998 zwei Bands gibt, die unter dem Namen Barclay James Harvest firmieren. Zum einen gibt es Barclay James Harvest feat. Les Holroyd, jener Bassist also auf den Hits wie "Life Is For Living" oder "Berlin" zurückgehen. In dieser BJH Variante saß Originaldrummer Mel Pritchard bis zu seinem Tode im Jahr 2004 am Schlagzeug. Zum anderen gibt es John Lees' Barclay James Harvest, eine Formation, der bis zu seinem Freitod im Dezember 2010 auch BJH Gründungsmitglied Stuart "Woolly" Wolstenholme angehörte.  

Letztere "Barclays", wie die Band gerne landläufig genannt wird (Ich selbst mag diese Bezeichnung weniger), befinden sich derzeit auf einer Tour durch Kontinentaleuropa. Die Besetzung orientiert sich dabei am ursprünglichen BJH Line Up, also mit einem Gitarristen (John Lees himself), einem Bassisten (Craig Fletcher), einem Drummer (Kevin "Kev" Whitehead) und einem Keyboarder (Woollys Nachfolger Jeremy "Jez" Smith).

Um kurz nach sieben Uhr am Samstag Abend traf ich am Roßmarkt in "Aschbersch" ein. Im BJH Forum, welchem Ich seit drei Jahren angehöre, hatten sich einige Fans zu einem Vorabtreffen in der "Jazzküche", einem Szene Treff im gleichen Gebäude wie der Colos Saal, verabredet. Ich kannte zwar noch niemanden aus dem Forum persönlich, doch mein geschultes Auge erblickte alsbald eine Gruppe BJH Fans in einschlägigen T - Shirts. Ich sprach einfach einen davon an und schon war Ich mittendrin. Monika, die Chefin der Community, 70s Dreamer (von dem auch die Bilder in diesem Blog stammen), Holger und einige andere hatten schon zueinander gefunden. Endlich kenne Ich nun auch ein paar dieser netten Leute. Das Konzert selbst erlebte Ich dann später allerdings an der Seite eines Arbeitskollegen, der mit Frau und Freunden zum Konzert gekommen war.

Um 21:04 Uhr betraten JLBJH die Bretter der Colos Saal Bühne. Eine Vorgruppe gab es nicht, wozu auch? Das Publikum, durchweg 40+ wollte ja die "alten Meister" des Prog- oder auch Art Rock hören. Obwohl Ich am Eingang des Musik Tempels zwei Burschen jüngeren Geburtsdatums (Ich tippe mal so Jg. Anfang der 80er) beobachtete, die kurz die Plakate der nächsten Live Acts im Colos Saal begutachteten und von denen schließlich einer sagte: "Wow, heute spielt BJH, das ist Musik aus den 80ern. Echt geil" und die sich daraufhin noch Tickets an der Abendkasse (einige wenige gab es noch) sicherten. "Musik aus den 80ern" ist zwar nicht gänzlich falsch, doch darf man bei einem Act wie Barclay James Harvest die 1970er Jahre auf keinen Fall unter den Tisch kehren. 




Doch zurück zur Show: Diese wurde von "Fifties Child", einem mittlerweile auch schon 30 Jahre alten Stück aus dem Album "Ring Of Changes" eröffnet. Leider habe Ich es versäumt, mir während des Auftritts die Setlist zu notieren und nach dem Gig war Ich nicht schnell genug, mir eine vom Bühnenboden zu klauben - was Ich sonst doch immer so gerne tue. Darum kann Ich hier nicht alle Songs wiedergeben und wenn, dann nicht in der entsprechenden Reihenfolge. Doch ohnehin ändern John Lees und seine Truppe die Setlist von Auftritt zu Auftritt. Da fällt schon mal was raus, andere Tracks kommen dazu oder werden an einer anderen Stelle des Konzertes zu Gehör gebracht. "Child Of The Universe", das weiß Ich ganz sicher, war das dritte Stück in Aschaffenburg.

Der Start in den musikalischen Abend war noch etwas holprig, John's Gitarre zu leise abgemischt und irgendwie knisterte es noch nicht so, wie man - oder Ich - das erwartet hatte. Damit hier keine Mißverständnisse entstehen: Dies betrifft nur die ersten Minuten, änderte sich jedoch alsbald und mit einem Male war es da. Dieses Feeling, so einzigartig, daß man es erlebt haben muß. Erklären lässt sich so etwas immer eher schlecht als recht.

Dann die nächste Irritation: Nach nur 39 Minuten verabschiedete sich der Vierer in die Pause. Kurze Hochrechnung: Nochmal etwa eine solche Spielzeit und der Spaß würde viel zu früh zu Ende sein. Die Pause dauerte nur 16 Minuten und als die Band auf die Bühne zurückkam, sollte sie dort für weitere 82 Minuten (inclusive der Zugaben) bleiben. Und in diesem zweiten Teil des Auftritts ließen JLBJH sie alle raus, die Prog Monster der 70er: "Mockingbird" in der  wundervollsten Version die Ich jemals von diesem BJH Klassiker gehört habe, "She said", "Galadriel", "For No One", ein 14minütiges "After The Day". Ich schloß die Augen und beamte mich mithilfe dieses 70er Jahre Soundtracks in ein Parallel - Universum weitab jeglicher profaner Belanglosigkeiten, die in unserer multimedialen Welt die Vorherrschaft an sich gerissen haben.




Die Flötentöne muß mir niemand mehr beibringen, doch als Ich plötzlich eben solche an meiner Ohrmuschel vernahm, öffnete Ich die Augen wieder und wollte Organist Jez Smith im Stillen bereits zu einem authentischen Flötensample auf seinem von einem angebissenen Apfel verzierten Laptop gratulieren, als Ich sah, daß der Meister höchstselbst auf den Spuren des Hamelner Rattenfängers wandelte. 

Mitten in diesem Umfeld aus Meilensteinen des BJH Backkatalogs präsentierten die Musiker ihre brandneue Single "Unreservedly Yours", die eigens für diese Tour wenige Tage zuvor via iTunes und amazon veröffentlicht wurde und sich vom Fleck weg zahlreicher Downloads erfreut.  Der Song hat einen unverkennbaren Folk Touch, reiht sich im Gesamtkontext aber problemlos in das BJH Konzept ein. 

John Lees, auch dies muß an dieser Stelle mal gesagt sein, hat seine besten Zeiten als Sänger hinter sich, angesichts seines Alters von 66 Jahren sei ihm das allerdings verziehen. Craig Fletcher, der die Centerposition auf der Bühne einnimmt (John steht links außen) und als launiger Conferencier durch das Programm führt, tritt bei geschätzt 40 % der Titel als Sänger in Erscheinung. Das macht er prima und sein englischer Humor kommt auch beim deutschen Publikum bestens an.

Mit den beiden Zugaben "Loving Is Easy" und, wie könnte es anders sein?, "Hymn" beendeten John Lees Barclay James Harvest den musikalischen Abend nach letztlich etwas mehr als zwei Stunden reiner Spielzeit. Müßig zu sagen, daß sich Band und Fans bei Hymn gegenseitig hochschaukelten. Wer da nicht mitsingt, dem ist nicht mehr zu helfen. Und wem dabei keine wohligen Schauer über den Rücken laufen, muß wohl eine Ritterrüstung dort haben, wo andere Menschen über Haut verfügen.



Apropos Publikum: Wie bereits erwähnt war der Colos Saal nicht ganz ausverkauft, allerdings denke Ich mal, daß so um die 500 Leute da waren. Damit ist die Location sehr gut besucht und auch für die Künstler auf der Bühne muß es ein zufriedenstellendes Gefühl sein, auf eine Menge ohne Lücken zu schauen. Und die Musikfreunde waren's ebenso zufrieden. Ich stand nach Konzertende einige Minuten im Auditorium, ließ das eben Gesehene und Gehörte einfach nachwirken und grinste einfach nur vor mich hin. Das könnte unter Umständen ein wenig dämlich ausgesehen haben, Ich aber war einfach nur glücklich. Und bin es bis jetzt...    

Sonntag, 6. Januar 2013

Wir trogen de Sonne ooch im Herzen

Am Freitag, den 4.Januar fuhr Ich mit meinem Filius Hendrik zum Biathlon Weltcup nach Oberhof. Bereits seit 2004 besuchte Ich schon diverse Weltcup Events in Ruhpolding und Oberhof und war auch schonmal bei der World Team Challenge auf Schalke. Aber während Ich in die Veltins Arena nicht unbedingt noch mal reisen muß, sind Weltcups immer wieder eine Reise wert. Und Oberhof im Thüringer Wald ist von meinem Zuhause aus gerade mal eine zwei-Stunden-Fahrt über etwa 185 Kilometer.

Also ging es am Freitag um kurz nach elf Uhr los. Bei Hammelburg auf die A7, dann wenige Kilometer auf der A70 Richtung Schweinfurt und alsbald geht es dann auch schon auf die A71 Richtung Erfurt. Die A71 ist keine allzu stark frequentierte Autobahn, so macht das fahren dort jede Menge Spaß.

Unser Ziel war zunächst Zella Mehlis, denn der Weltcup Veranstalter wollte in diesem Jahr bereits ab diesem Ort Shuttle Busse hinauf nach Oberhof einsetzen. Da wir allerdings bereits zeitig, so gegen 13:00 Uhr in ZM waren, meinte ein freundlicher Ordner vom THW, daß wir auch selbst noch nach Oberhof fahren könnten, denn auch dort gäbe es beim Panorama Hotel noch genügend Parkplätze.

Also schlängelten wir uns die Bundesstraße hinauf in den bekannten Wintersportort am Rennsteig. Dort steuerten wir aber zunächst den Parkplatz am Gründle an. Ein dort eingeteilter Feuerwehrmann begrüßte uns mit den Worten "Ich begrüße Sie im sonnigen Oberhof." Unsere angesichts des nebligen, mit Nieselregen durchsetzten Wetters, skeptischen Blicken begegnete er mit dem Nachsatz "Wir trogen de Sonne ooch im Herzen." Dann klärte er uns auf, daß dieser Parkplatz nur für VIPs (zähle ich denn nicht dazu?), Medienverteter usw.reserviert sei. Seine Vergangenheit in der NVA (die unterstelle ich ihm jetzt einfach mal) ließ ihn danach folgenden Satz sagen: "Sie befolgen nun strikt meine Anweisungen und fahren wie folgt: 1. Kreuzung links, zweite Kreuzung links, dritte Kreuzung rechts, vierte Kreuzung rechts. Zweimal links, zweimal rechts, dann sind sie am Parkplatz Wadeberg, dort können sie parken."  

An jenem Parkplatz angekommen (es war derjenige, den man uns schon in Zella Mehlis empfohlen hatte) wurde Ich vom Parkplatzordner gefragt: "Hoben Sie Allrad? Donn reihen Sie sich bitte dort drüben am Ende der Schlonge ein." Tatsächlich gab es auf diesem unbefestigten Parkplatz einen Abschnitt, den man bei den vorherschenden Verhältnissen wirklich nur befahren sollte, wenn beim Auto alle vier Räder angetrieben werden. Ansonsten würde man sich später beim Ausparken nur in die schlammige Erde wühlen. Hendrik und Ich hatten jedenfalls Spaß dabei, uns in die Reihe der SUVs dort einzusortieren.

Nach einem ca. 10minütigen Fußmarsch waren wir im Zentrum von Oberhof, wo sich bereits Tausende von Menschen tummelten. Jede Menge Buden boten Essen, Trinken und Weltcup Souvenirs feil. Wir stärkten uns erst einmal mit einer der leckeren Thüringer Rostbratwürste und schauten uns um, was alles hier angeboten wurde. Das Partyvolk wärmte sich schon mit den entsprechenden "kleinen Freunden" verschiedenster Geschmacksrichtungen auf. Bunte, manchmal auch schon fast peinliche Kopfbedeckungen (sorry, aber manche Besucher solcher Events machen sich mit ihren Outfits in meinem Augen einfach zum Affen), Fahnen, Tröten, Fangesänge - schon mittags sind die Menschen hier gut drauf.

Wir fuhren dann mit einem Shuttle Bus raus zur DKB Ski Arena und fanden nach einigem Suchen den Eingang zum neuen Zuschauerabschnitt "Zielanstieg / Sägespänerunde". Hier wären Hinweisschilder hilfreich gewesen, denn wenn man über den Haupteingang das Gelände betritt, hat man keine Chance zur Sägespänerunde zu gelangen. Hierfür muß man an der Ski Halle das Areal betreten. Das sollte man künftig berücksichtigen.

An der Sägespänerunde aber, die sich an die Waldtribüne anschließt und an der man spannende Zweikämpfe beobachten kann, war die Stimmung auch schon bestens. Und das gute gegenüber dem Birxsteig ist hier, daß man nicht in Sechser- oder Siebener Reihen an der Strecke steht und somit einen tollen Blick auf das Geschehen hat. Eine Videowall informiert auch hier über das Geschehen, so daß man nichts vom Rennen verpasst. Ein echter Geheimtipp für die kommenden Jahre und der Eintrittspreis hält sich hier auch in Grenzen.

Hier bleiben während des Trainings und Warm Ups auch viele Sportler mit ihren Technikern und Serviceleuten stehen, um ihre Skier zu wechseln. Ole Einar Björndalen beispielsweise blieb Runde um Runde immer genau vor uns stehen. Auch einige Deutsche wie Erik Lesser oder Arnd Peiffer standen immer wieder vor uns.

Auch während des Rennens hat man hier in der Sägespänerunde einen prima Standort, sieht man die Athleten doch immer für ca. 25 Sekunden und weiß, daß sie kurz darauf am Schießstand sein werden. Das Schießen selbst verfolgt man dann natürlich wieder über die Videowall.

Den deutschen Herren gelang in dieser Staffel ja immerhin ein starker 3. Platz hinter Rußland und Norwegen. Aber egal, welche Nation gerade an den Fans vorbeilief: hier wurden alle Sportler mit aufmunternden Hopp Hopp Rufen angefeuert. Egal ob Deutscher, Italiener, Österreicher, Amerikaner oder Exoten wie Kasachen oder Japaner. Das Publikum in Oberhof ist nicht nur begeisterungsfähig, sondern auch fair.

Nach dem Rennen fuhren wir mit dem Shuttle Bus wieder zurück in den Ort, holten uns noch eine Waffel bzw einen Crepe und marschierten dann wieder zum Parkplatz um die Heimreise anzutreten. Um kurz vor halb neun fuhren wir in Oberhof ab und waren um kurz vor halb elf wieder in der Heimat. Anstrengend ist so etwas zwar immer, aber eben auch schön und aufregend. Und darum werden wir auch in Zukunft immer wieder zu Biathlon Events fahren. Gerne auch wieder in Oberhof.    

Freitag, 28. Dezember 2012

Eisheilige Nacht 2012 - bei munteren acht Grad plus :)

Eisheilige Nacht. Was ist das denn? Und das so kurz nach, oder auch vor, der heiligen Nacht. Nun, Eisheilige Nacht ist eine alljährliche Konzerttournee der Potsdamer Mittelalter - Folk - Rock - Metal - Band Subway To Sally, bei der sie befreundete Bands einladen, sie dabei zu begleiten. So ist dies keine One - Band - Show mit Vorgruppe(n), sondern hat eher den Charakter eines Festivals.

Anno 2012 sollten die Schweden von Fejd, die Pseudo Russen Russkaja aus Österreich sowie die Thüringer Death - und Thrash Metaller Die apokalyptischen Reiter mit von der Partie sein. Und weil Subway To Sally ihr 20jähriges feiern, spielten sie auch noch ein Extra Set unter der Bezeichnung Subway To Sally Zeitreise.

Hendrik und Ich fuhren am Donnerstag, den 27. Dezember zur Eisheilige Nacht nach Fürth. Etwa eine halbe Stunde vor doors open um 18:00 waren wir an Ort und Stelle. Beim warten auf den Einlaß sprachen uns zwei Jungs an und fragten, ob wir durstig seien, denn sie hätten zuviele Getränke noch im Rucksack. Also half Ich ihnen, den Bestand an Met zu dezimieren.

Als wir kurz nach sechs in der Halle waren, schlenderten Hendrik und Ich die Merchandise Stände ab. Natürlich holten wir uns jeder gleich ein Tour T - Shirt. Die Preise für Essen und Trinken waren absolut okay, drei Euro für ein Bier oder Cola (jeweils 0,4 l) und maximal zwofuffzich für was zum Beißen (Leberkäsweck, zwei Wienerle mit Brötchen) sind gerechtfertigt. In Gießen am Samstag zuvor sollen die Preise deutlich höher gewesen sein.   

Die Stadthalle in Fürth ist für Stehplatzkonzerte bestens geeignet. Da sich das Auditorium nach hinten hin, ähnlich einem Amphitheater, ständig durch Podeste erhöht, hat man von wirklich jedem Platz in der Halle einen perfekten Blick zur Bühne. Zudem boten die Podestkanten die willkommene Gelegenheit, sich zwischendrin immer wieder mal setzen zu können. Zum Beispiel in den Umbaupausen, die - nächster Daumen hoch - niemals länger als 17, 18 Minuten dauerten. Da hatte man sich wirklich Gedanken über die Logistik gemacht.

Kurz vor dem avisierten Konzertbeginn um 19:00 Uhr trat Eric Fish, Sänger und Frontman der Gastgeber, vor die knapp 2000 Zuschauer und begrüßte die Fans. Er erklärte kurz den Ablauf des Abends und dann holte er auch schon Fejd auf die Bühne. Zwei Brüder, die schon seit vielen Jahren gemeinsam nordischen Folk auf nordischen Folkinstrumenten spielen und die sich einige Jahre später drei schwedische Metal Musiker dazu holten, um künftig mit Mittelalter Folk Metal die unterschiedlichsten Bühnen zu rocken. Zwar sangen sie schwedisch, was das Mitsingen erschwerte bzw erst gar nicht ermöglichte, doch die Magie der Sagen und Mythen ihrer skandinavischen Heimat, die sich wie ein roter Faden durch ihre Lieder zieht, war durch die Musik greifbar. Ein gelungener opening act, der freilich bereits nach 25 Minuten beendet war. Anheizer eben.

Um 19:38 Uhr kamen dann Subway To Sally zu ihrem Zeitreise Set auf die Bühne. In ihrem Forum hatten sie ihre Fans gebeten, aus 20 Songs der ersten drei Alben jene Titel auszuwählen, die sie hierbei spielen sollten. Mit "Sag dem Teufel" und "Die Ratten" waren auch zwei Stücke meines persönlichen STS Lieblingsalbums "Foppt den Dämon", für mich die Blaupause des Mittelalter Rock schlechthin, in diesem Set vertreten. Schon während dieses nur 29 Minuten kurzen Auftritts ließ sich erahnen, was die Fans später am Abend noch von der siebenköpfigen Truppe würden erwarten können.

Nach gerade einmal elf Minuten Umbaupause kamen um 20:18 Uhr Russkaja auf die Bühne. Eingangs schrieb ich was von Pseudo - Russen, das muß ich an dieser Stelle erklären. Russkaja kommen aus Wien, wo sie 2005 gegründet wurden. Sie haben sich der traditionellen russischen Musik verschrieben, die sie mit Einflüssen aus Ska, Polka, Reggae und was ihnen gerade noch so in den Sinn kommt, vermischen und mit ordentlich Druck durch die Boxen feuern. Oder kurz: der Popolski Show goes Heavy. Es ist sinnlos, sich das Erlebte später auf einer CD mit nach Hause nehmen zu wollen, denn eine Band wie Russkaja funktioniert vor allem live. Das muß man erleben, da muß man dabei sein. Die Faszination solcher explosiver Liveshows lässt sich nicht auf einen Silberling brennen. Russkaja durften 45 Minuten ran.

Um 21:20 begann der Gig der apokalyptischen Reiter. Nun muß Ich sagen, daß ich noch nie ein Freund dieser Band war. Und dabei bleibt es auch. Zum einen stehe Ich nicht auf diese Art von Metal (Black-, Thrash- oder Death Metal), auch wenn sie vereinzelt Folkelemente verwenden. Zum anderen mag Ich die Art des Gesangs (Growl) nicht. Was mich aber am meisten am Set der Weimarer störte, war ihr Keyboarder. Eine dümmlich - infantil - pseudo - dominante Vogelscheuche in einem Leder- und Nieten Höschen und ebensolcher Gesichtsmaske, der eine Kinderschaukel hinter seinem Keyboard stehen hat, auf welcher er immer wieder schaukelte. Originell? Eher peinlich. Aber bitte - wem's gefällt. Mir.........................gefällt's nicht.

50 Minuten mußte ich da durch, aber als um 22:27 Uhr Subway To Sally zur Musik von "Eisblumen" die Bühne betraten, war ich längst schon wieder auf der Sonnenseite des Abends angelangt. Eric Fish kündigte eine bisher nie dagewesene Hitdichte an. Und er sollte nicht übertrieben haben. Die sechs Jungs und ihre Geigerin Frau Schmitt zündeten einen Kracher nach dem anderen. "Schwarz in Schwarz", "Kleid aus Rosen", "Sieben", "Tanz auf dem Vulkan", "Besser du rennst", "Knochenschiff", "Falscher Heiland" - die Setlist ließ keine Wünsche offen. Und die Fans dankten es indem sie ihre Idole feierten und jedes Lied lautstark mitsangen. So muß ein Geburtstagskonzert aussehen. 85 Minuten lang inspirierten sich Band und Fans gegenseitig, bis "Julia und die Räuber" als letzte Zugabe den Abend so beendete, wie sich wohl jeder Fan das gewünscht hatte.

Am Informationsschalter in der Stadthalle bezahlte Ich mein Parkticket. Statt der von der Parkzeit ausgehend errechneten sieben oder acht Euro kostete es dann pauschal nur fünf Euronen. Navi auf "nach Hause" eingestellt, waren wir um kurz nach Mitternacht aus dem Parkhaus (die engen Parkplätze ließen auf einen Bau aus den 1960er Jahren schließen; für einen 2 Meter 13 breiten Ford Kuga eine echte Challenge) heraus und steuerten über die A 73 das Kreuz Fürth / Erlangen an, wo wir auf die A 3 kamen, die uns bei mittlerweile stärker einsetzendem Regen wieder in den heimischen Spessart führte. Um kurz vor zwei in der Nacht waren wir wieder daheim. Der 11 - Stunden Trip von Unterfranken nach Mittelfranken und zurück hatte sich definitiv gelohnt.             

Dienstag, 16. Oktober 2012

Der "Pellminator" on Tour - Axel Rudi Pell live

Im Juli gab der Wattenscheider Melodic Metal Gitarrist Axel Rudi Pell die Termine für die Herbsttour 2012 bekannt. Ich schätze mal, ich war der Erste, der Tickets für den Tourauftakt Gig im Aschaffenburger Colos Saal orderte. Denn gleich, nachdem auf der Facebook Seite des Live Musik Clubs dieser Termin gepostet wurde, bestellte Ich über die Homepage des Colos Saal meine Tickets. Fortan mußte ich noch 14 Wochen warten, bis es dann soweit sein sollte.

Letzten Freitag also war nun dieser Tag. Um kurz vor sieben Uhr abends fand ich mich am Roßmarkt ein. Doors open war für 20:00 Uhr angesetzt. Daß der Colos Saal voll werden würde, konnte man dem letzten Newsletter des Clubs entnehmen. Pünktlich um acht wurden die wartenden Fans denn auch eingelassen. Zusammen mit Hendrik enterte Ich erst einmal den Merchandise Stand um mir ein Tour T-Shirt zu sichern.

Gemeinsam mit dem Kerbinator Bavaria, wie sich einer meiner Arbeitskollegen im Netz nennt und mit dem Ich für diesen Abend verabredet war, zischte Ich erst einmal ein Bierchen. Kurz bevor die Vorgruppe Mad Max um zehn nach Neun loslegte, traf Ich im Flur noch einen weiteren Wiesthaler, Jörg, der eben auch weiß, was gute Musik ist. Schließlich stieß, für den Kerbinator und mich etwas überraschend, mit Peter noch ein weiterer Arbeitskollege zu uns. Den hatten wir nun nicht auf der Rechnung, wußten wir doch nicht, daß auch er auf Heavy Metal steht.



Mad Max, ein Hard Rock- und Melodic Metal Vierer aus Münster, wurden 1982 gegründet und können somit auf eine 30jährige Karriere zurückblicken. In ihrem 50minütigen Anheizer Programm fanden sich auch einige Stücke aus ihren 1980er Jahre Alben "Rollin' Thunder", "Stormchild" und "Night of Passion". Daß die Band um Sänger Michael Voss bis heute aktiv ist, unterlegten Songs aus ihrem brandneuen Longplayer "Another Night of Passion". Stimmlich voll auf der Höhe mußte Voss auch in die Saiten greifen, was im Metal Bereich eher unüblich für einen Sänger ist. Handwerklich war das, was die Westfalen auf die Bühne brachten, absolut okay. Es fehlte aber ein Aufhänger. Etwas, was nachhaltig im Gedächtnis bleiben würde. Und sei es nur ein Riff.      

Mad Max spielten bis 22:00 Uhr, danach gab es eine gut halbstündige Umbaupause, ehe zu den Klängen von "The Guillotine Suite" der "Pellminator" Axel Rudi Pell gemeinsam mit seiner Band, bestehend aus Keyboarder Ferdy Doernberg, Bassist Volker Krawczak und Drummer Mike Terrana die Bühne betrat. Als letzter kam Johnny Gioeli, Sänger und Frontman aus NYC raus, um gleich wie ein Flummi jeden Quadratzentimeter der viel strapazierten Bretter die die Welt bedeuten auszunutzen. Mit "Ghost in the Black" starteten die Fünf fulminant in ihr Set.

Johnny, der von einigen Mädels angehimmelt wurde, und dies sichtlich genoß, indem er seinerseits die Girls anmachte (You're my Party Chicks. I wanna make love to you") war nicht nur bester Laune, sondern auch in blendender Verfassung. Weitere Tracks aus dem im März 2012 veröffentlichtem Album "Circle of the Oath" folgten mit "Run with the Wind" und "Before I Die", doch auch älteres Material wurde zum Vortrage gebracht.

Was Ich ganz besonders an der Musik von ARP liebe, sind seine epischen, ausufernden 9-, 10- oder 12 Minuten Tracks, denen auch in Aschaffenburg reichlich Platz eingeräumt wurde. Was mich dabei ganz besonders freute, war daß neben "Carousel" oder dem Titelsong der letzten CD auch "Oceans of Time", seines Zeichens Namensgeber des 1998er Albums, und mein absoluter Lieblingssong des Wattenscheiders, in der Setlist auftauchte. Auch "The Masquerade Ball" und "Casbah", wie gewohnt in einem ultralangen Medley zusammengefasst und diesmal um "Tear down the Walls" angereichert, fanden sich im bestens zusammengestellten Programm wieder. Natürlich durften auch Uptempo Kracher wie "Strong as a Rock" nicht fehlen. Dazwischen bekamen Schlagzeugtier Mikey und Ferdy an den Keys ihre Solominuten, wobei besonders Terrana mit einer ca. 7minütigen Einlage das Publikum im Colos Saal anfeuerte.



Zwischendrin glänzte Gioeli immer wieder mit seinen gewohnt witzigen, manchmal flapsigen Sprüchen ("Axel Rudi's first album back in 1942...") und der Maestro himself zitierte auf der Gitarre auch schonmal das 1948 komponierte und besonders durch Johnny Cash populär gewordene "GhostRiders in the Sky", woraufhin Johnny und Mike gleich mit einstimmten. Sie sind nun mal Amerikaner und kennen auch ihre Country Music.

Nach gut anderthalb Stunden war das reguläre Set vorüber und die Fünf verließen die Bühne. Nach etwa vier Minuten waren sie, angeführt von Axel Rudi in persona, allerdings wieder da und spendierten den ca. 550 Metalheads mit einer Altersspanne von 13 bis an die 60 (würde Ich mal schätzen) noch eine Viertelstunde, in der auch "Rock the Nation", ein Meilenstein im Live Programm von ARP, nicht fehlen durfte. Einen Song vermisste Ich dann aber doch ein wenig. Der Rainbow Klassiker "Temple of the King" war im Vergleich zum Januar 2011, als Ich die Band ebenfalls im Colos Saal erlebte, aus der Setlist geflogen. Doch das konnte den "fucking great night" Charakter dieses Abends, welcher musikalisch um fünf Minuten vor halb eins endete, nicht trüben.

Axel Rudi Pell hatten den Freitag Abend in Aschebersch gerockt. Und das wie es sich gehört. Ein geiler Abend mit starker Mucke und vielen gleichgesinnten Musikfreunden. Und somit ein perfekter Start ins Wochenende. Nur schade, daß die Band 2013 Pause machen wird. Kein neues Album, keine neue Tour. Dann sehen wir uns halt in 2014 wieder!             

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Die Bayern3 Kinopremiere: Angels' Share

Der Radiosender Bayern3 gibt seinen Hörern seit 15 Jahren die Möglichkeit, neue Kinofilme schon vor dem offiziellen Start im Kino sehen zu können. In der sogenannten Bayern3 Kinopremiere. In dieser Woche gab es nun die 200. Kinopremiere des Senders. Mehr als 400.000 Kinokarten wurden seither verschenkt. Denn das ist das Besondere an diesen Events. Die Zuschauer holen sich ihre Kinokarten einen Tag zuvor an der Kinokasse ab - zahlen aber nichts dafür. Im Falle von Angels' Share gab es sogar noch eine Gratis Eintrittskarte für die Distillerie Slyrs am Schliersee als Beigabe.

Zum ersten Mal überhaupt erlebte Ich also am Dienstag eine Bayern3 Kinopremiere. Klar, ein Film, in dem es um schottischen Single Malt Whisky geht, ist natürlich wie gemacht für mich. Also wappnete Ich mich mit einem mit Laphroaig (für Nicht-Whisky-Kenner: das spricht sich Lafroyg) gefüllten Flachmann und besuchte am Dienstag Abend das Programmkino Casino in der Aschaffenburger Innenstadt. Daß Ich nicht der einzige Kinobesucher mit einem "wee dram" (schottisch für "einen kleinen Schluck) sein sollte, würde sich später noch herausstellen. Doch dazu mehr an geeigneter Stelle.

Eine Bayern3 Kinopremiere hat den Vorteil, daß man nicht mit Werbung und Trailern anderer Filme zugemüllt wird. Lediglich eine kurze Einführung seitens der (in diesem Fall) lokalen BR Redakteurin mit Wissenswertem zum Film geht der Aufführung voraus. Und dann heißt es auch schon "Film ab".   

Um eins vorweg zu nehmen: Angels' Share ist keine romantisierende, mit wunderschön fotografierten Landschaftsaufnahmen der Highlands gespickte Liebeserklärung an Schottland. Eine Liebeserklärung ist es aber doch. Der Film springt zwischen den Genres Komödie und sozialkritischer Studie hin und her. Und wird dadurch niemals langweilig. Und keine Angst: Unterhaltsam ist Angels' Share zu jeder Zeit. 



Erzählt wird die Geschichte von Robbie. Robbie ist ein kleinkrimineller Twen aus Glasgow, der die Sonnenseite des Lebens noch nie gesehen hat. Und vermutlich auch nie sehen wird. Der einzige Grund, warum er nach seiner letzten Schandtat nicht im Bau landet, ist die Tatsache, daß er in wenigen Tagen Vater wird. Robbie wird zu 300 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert. Beim Tapeten von der Wand abkratzen und säubern öffentlicher Parkanlagen in Glasgow lernt er den wahrscheinlich einzigen Sozialarbeiter mit Herz, Harry, sowie die anderen gescheiterten Existenzen Albert, der immer etwas länger braucht um etwas zu raffen, die kleptomanisch veranlagte Mo, die immer und überall was mitgehen lassen muß, und Rhino, der vom Typ her wohl noch am ehesten auf seiner - Robbie's - Linie liegt, kennen.

Das Leben der Vier würde wohl ewig auf der Verlierer Seite weitergehen, würde Harry, der Sozialarbeiter, seine Schutzbefohlenen nicht eines schönen Tages in eine Whisky Distillerie chauffieren. Dabei offenbart sich, daß Robbie ein feines Näschen für hochgeistige Destillate mitbringt.

Daraufhin fahren die Fünf zu einem Whisky Tasting nach Edinburgh. Angesichts des Edinburgh Castle, welches Albert noch nie gesehen hat und daraufhin fragt, was das da oben auf dem Hügel sei, sieht sich Harry genötigt zu fragen, wo Albert denn bislang gelebt habe. In einem Schrank? Hier zeigt sich, daß Touristen das Land Schottland vermutlich besser kennen, als die Einheimischen. Auch Highlander müssen für blöde Sprüche herhalten, ähnlich wie die "Bayern-Seppls" für manchen "nördlich-des-Weißwurscht-Äquators" lebenden Deutschen.

Ausblende aus dem Film, dafür eine Momentaufnahme aus dem Publikum beleuchtend: Als zum erstenmal im Film ein Single Malt verkostet wird, regt sich auch im gut besuchten Kinosaal etwas. Von verschiedenen Stellen hört man ein "plop". Nicht nur Ich war also mit einem guten Schluck ausgestattet ins "Casino" gekommen. Sláinte mhath. (Gälisch für Prost; sprich: sloontsche waah).

Zurück zum Film: Als den drei Jungs und dem Mädel klar wird, daß es in den Highlands ein Faß des wohl seltensten Whiskys der Welt gibt, machen sie sich - mittlerweile in Kilts gehüllt - auf gen Norden, um der Auktion dieses hochpreisigen Geistes beizuwohnen - und ihn auf nicht ganz legale Weise zu ihrem Eigen zu machen. Dabei offenbart sich vor allem Albert als der schottischen Tradition nicht gerade entsprechender Großstädter.



Ich möchte an dieser Stelle das Ende des Films nicht vorweg nehmen. Darum gehe Ich noch einmal auf Reaktionen seitens des Kinopublikums ein. Das Premierenpublikum in Aschaffenburg setzte sich, wahrscheinlich ebenso wie in den sieben anderen bayerischen Städten die in den Genuß der Preview kamen, aus vorwiegend Schottland- und Whiskyerfahrenen Frauen und Männern zusammen. Darum gab es öfter herzhafte Lacher und Kommentare zu hören. Allein schon deshalb muß man sich den Film noch mindestens einmal mehr reintun, um auch wirklich jeden Dialog verstanden zu haben. Rein akustisch natürlich. Denn der Film lebt von seiner Atmosphäre, die es brilliant versteht, Unterhaltung mit erhobener-Zeigefinger-Pseudo-Studie zu verbinden.

Regisseur Ken Loach setzte bei seiner augenzwinkernden Komödie in erster Linie auf Laiendarsteller - und dem Vernehmen nach wurde Paul Brannigan, Darsteller des Protagonisten Robbie, danach vom Fleck weg für eine Rolle neben Scarlett Johannson verpflichtet.  

Mein - positives - Fazit lautet also: Schottland- und (vor allem) - Whisky Fans: Reingehen. Tut Euch diesen Film an. Fernab von jeglicher Rosamunde Pilcher Romantik zeichnet er ein Bild des wahren Schottland, läßt aber dennoch genügend Raum für ein Traumland im nördlichen Teil Großbritanniens.    

Prädikat: 10 von 10 wee drams ;)

Hier berichtet das ZDF heute journal über den Film

Hier geht's zur offiziellen Website des Films

Hier lang zu einem älteren Blog von mir über ein Whisky Tasting

Dienstag, 28. August 2012

Straw Rowing @ Burg Volmarstein

Straw Rowing @ Burg Volmarstein? Was soll das denn schon wieder sein? Was will der Autor dem geneigten Leser damit wohl sagen? Die Antwort ist so simpel wie einleuchtend: Straw Rowing @ Burg Volmarstein bedeutet das, was es bedeutet: Beim Irish Folk Festival auf der Burgruine hoch über der Ruhr in der Nähe der Stadt Wetter sitzt das Publikum nämlich auf Strohballen. Also auch Hendrik und Ich, die wir am Freitag Mittag die Reise ins Ruhrgebiet angetreten hatten.



Doch der Reihe nach. Im Herbst 2011 machte mich ein Bekannter auf dieses kleine aber feine Folk Festival aufmerksam, welches für seine sechste Auflage (es findet nur alle zwei Jahre statt) den schottischen Folkstar, Singer / Songwriter Dougie (gesprochen: Duugie, nicht Daggie) MacLean verpflichtet hatte. Nun mag der Name vielleicht nicht jedermann ein Begriff sein, doch MacLean schrieb vor vielen Jahren einen Song, von dessen Tantiemen er bis heute gut leben kann: Caledonia, eine Liebeserklärung an seine Heimat, gleichzeitig mein absolutes Lieblingsland: Schottland. Und die Chance, diesen Song mal im Original zu hören, wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Es sollte Dougie's erster Deutschland Gig nach 30 Jahren werden.

So bestellte Ich mir bereits im November '11 ein Festivalticket zum unschlagbar günstigen Early Bird Preis von sage und schreibe gerade mal 20.- €uro. Für zwei Tage wohlgemerkt. Doch auch der reguläre Preis von 30.- € (Abendkasse: 33.- €) dürfte für neun Bands an den beiden Tagen wohl nur schwerlich zu unterbieten sein.

Als Hendrik und Ich unser Pensionszimmer im Ortsteil Grundschöttel bezogen hatten, machten wir uns zu Fuß auf, den Ort zu erkunden und allmählich die Burg anzusteuern. Nachdem wir uns erstmal kräftig verlaufen hatten (wir waren den Parkplatz Schildern für das Festival gefolgt; Parkplätze waren allerdings quasi im ganzen Dorf ausgewiesen) kam uns die glorreiche Idee, die "Maps" Funktion unserer Smartphones zu nutzen. Plötzlich waren wir auf dem richtigen Weg und als wir etwa 50 Meter seitlich der Straße ein Schild "Fußweg zum Festival" entdeckten, waren wir uns sicher, in wenigen Augenblicken die Location erreicht zu haben. Doch Pustekuchen: nach einigen hundert Metern durch ein Waldstück, die Burg aus den Augenwinkeln heraus zur Linken immer im Blick, standen wir plötzlich wieder in einem Wohngebiet. Und Volmarstein ist, Rom nicht unähnlich, auf Hügeln erbaut. Das hat zur Folge,daß es mal bergab geht, mal bergauf.

Für Hendrik und mich ging es nun erstmal wieder bergauf, die sengende Sonne immer im Genick. Ja, und die Burg hatten wir nun nicht mehr im Augenwinkel. Dazu musste man den Kopf schon um wenigstens 135° drehen - wir entfernten uns also vom Festivalgelände. Da sah ich eine junge Frau aus einem der Häuser treten und fragte sie, ob dies denn der Fußweg zur Burg sei. Im Prinzip schon, meinte sie. Oha. 'Im Prinzip' bedeutet ja wohl nichts anderes , als daß dies schon der Weg sei, aaaaber....da müssten wir den Berg noch ein ganzes Stück weiter hochgehen und dann ginge es irgendwann mal so irgendwie da rüber. Das war zwar eine Antwort, doch nicht die, die Ich hatte hören wollen. Und plötzlich, so als hätte sie meine Gedanken gelesen, kam folgender Satz aus ihrem Munde: "Sie müssen aber jetzt nicht den ganzen Weg gehen, ich lasse Sie einfach durch unseren Garten, von dem kommen sie auf einen Parkplatz und dann ist es nicht mehr weit bis zur Burg."

Hömma, so musset sein. Denn tatsächlich war es vom Parkplatz bis zum Aufgang zur Burg nur noch ein Katzensprung. Als wir nun also dort ankamen, stiegen aus einem Taxi auf der anderen Straßenseite drei Menschen, von denen Ich zwei sogleich erkannte: Uwe und Swenja, pardon: Swenja und Uwe (so gehört es sich ja wohl). Die dritte Person war Andy, ein Kumpel der beiden. Zu fünft erklommen wir nun also die letzten Meter hinauf zur Burgruine und investierten ersteinmal in Impressionen. Und gleich darauf in Wertmarken, denn cash wird beim Festival nicht gezahlt. Stattdessen holt man sich sogenannte WMs, also Wertmarken, von denen eine jede 1,30 €uro wert ist. Die Preise für Speisen und Getränke sind dann auch in einsdreißiger Schritten gestaffelt: Antialkoholika und Apple Pie eine WM, Guinness, Kilkenny, Cider, Nacken - oder Putensteak 2 WM, Fish & Chips oder Irish Stew 3 Wertmarken, also 3,90 €. Und das isses dann auch schon. Teurer als dreineunzig wird hier nichts verkauft. Das nenne ich mal preiswert. 



Mittlerweile waren mit einem weiteren Uwe, Freddy und einem weiteren Andy drei weitere mir bekannte Folkies auf der Burg eingetroffen. Um Punkt acht eröffnete dann das Quartett Ten Pints After  musikalisch das Festival. Die vier Musiker lotsten das jetzt schon zahlreich vertretene Publikum sympathisch und stilsicher durch die vergangenen Jahrzehnte des Irish Folk, wobei sie kaum einen Meilenstein ausließen. Und plötzlich kündigten sie an, daß es jetzt mal noch weiter gen Norden gehen würde, nördlicher als Irland oder Schottland, nämlich nach Skandinavien. Wir trauten unseren Ohren kaum, als die Jungs Runrig's In Scandinavia anstimmten. Ein solches Stück hatte man in der Setlist von Ten Pints After dann doch nicht erwartet. Aber sie machten es nicht schlecht und so hatte der Song durchaus seine Daseinsberechtigung in ihrem Gesamtvortrag.

Nach einer kurzen Umbaupause enternten dann In Search Of A Rose die Bühne. Der eher romantisch angelegte Bandname führt allerdings in die Irre, denn hier geht die Folk Post so richtig ab. Im Stil etwa mit Fiddler's Green vergleichbar, rockten die sechs Jungs und das geigende und flötende Mädel die Bühne und schafften es immer wieder, den nun leicht einsetzenden Regen via "Hitzeschild", also flotten Rhythmen, zurückzudrängen. Naja, so ganz konnten sie die Tränen des Himmels (was bin Ich wieder für ein Poet...) nicht auf Distanz halten, oder wie Uwe B. es nannte: "Der Hitzeschild wirkte nur partiell." War vielleicht eine noch nicht ganz ausgereifte Beta Version.

Jedenfalls öffnete Petrus kurz vor dem Ende des Gigs seine Schleusen ganz. Auch die Zuflucht unter einen dicht beblätterten Kastanienbaum erwies sich nun als Makulatur. Also dann, nichts wie so schnell als möglich runter ins Dorf, um sich a) irgendwo unterzustellen und b) das Feld nach Bussen oder Taxen zu sondieren. Kurz vor Mitternacht. Sag mir ein Kaff, wo um diese Zeit noch ein Bus fährt. Doch die kommunalen Taxiunternehmen wissen, daß die zwei Festivaltage neben Silvester die beste Einnahmequelle in Volmarstein darstellen. Und so schafften es auch Hendrik und Ich endlich, eine Taxe zu ergattern, die uns über einen Umweg (soviel Ortskenntnis hatten wir uns zwischenzeitlich schon angeeignet) zurück zu unserem Gästezimmer und somit ins Trockene beförderte.

Am Samstag Morgen gingen wir beide dann erst einmal einkaufen. Der örtliche Rewe Markt versorgte uns mit Brötchen, Wurst, Käse und diversen Getränken und nach dem Frühstück machten wir uns auf, vielleicht doch einen anderen Weg zur Burg zu finden. Aber nee, is nich. Man muß immer wieder rauf und immer wieder runter, wenn man zur Burg möchte. Und außenrum, weil: einen Zwischenweg gibt es nicht.

Danach machten wir uns auf in die Stadt Wetter und bogen dort zum Harkort See ab. Ein Eis auf die Hand und dann ein wenig am Wasser entlang geschlendert. Dort trafen wir dann auch auf Swenja, Uwe B. und Andy, die hier im Ort eine Ferienwohnung angemietet hatten. Mit Seeblick.

Allmählich wurde es Zeit, nach Volmarstein zurückzukehren, um sich für den zweiten, den finalen Tag des Festivals, fertigzumachen. Diesmal nahmen wir den Bus und trafen kurz vor der Burg zum einen Freddy, heute ohne Andy, und zum anderen Dougie MacLean, der ein wenig durch den Ort flanierte und sich an den prächtigen Fachwerkfassaden der alten Häuser erfreute. 

Kaum auf der Burg kamen auch schon Uwe K. sowie  Swenja und ihre Bodyguards. Und alsbald trafen noch mehr Freunde ein: Barbara und Klaus, Andrea und Axel. Und natürlich Helga und Hanno. Die beiden traf ich zum allerersten Mal "in echt", doch via Internet hatten wir uns schon öfter ausgetauscht. dann waren da auch noch Daniela und Holger, Freunde von Barbara und Klaus, Anja und Uli, Alexandra mit Begleitung. Ein ganz schöner Auflauf an bekannten Gesichtern also.


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Und als das Live Musik Programm lief, stand plötzlich Dougie unter uns. Und was soll ich sagen: selbst jemand wie er, der so wunderschöne Songs schreibt, hat Schuppen, wie ich auf den Schultern und dem Rücken seines schwarzen Jackets eindeutig feststellen konnte. Was ihn nur umso menschlicher macht. Und das, obwohl er wirklich völlig ohne diese Ich-bin-der-Star-den-ihr-anhimmelt-Attitüde auskommt, also von Haus aus schon sowas von normal ist.

Zum Billing des Samstags sei gesagt, daß hier hochkarätige, mit excellenten MusikerInnen besetzte Bands am Werke waren. Doch ein wenig Abwechslung hätte dem Programm gut getan. Denn sehr viel lief an diesem Tag über die instrumentale Schiene, was bisweilen etwas langatmig wirkte. Hier hätte zwischendurch eine ähnlich rockig - freche Band wie am Vortag ISOAR dem ganzen Ablauf ein wenig Frische beschert. 

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Musikalisch und handwerklich war das alles hohes Niveau. Seien es das Trio The O'Reillys oder das Quartett Nua (jeweils aus Deutschland), die slowakische Formation Irish Rose, die aus zwei Schotten und einem Iren bestehende 
Brendan McCreanor Band  oder Irland's neue Folk Superstars Full Set. Sie alle waren für sich genommen top, wobei sich Full Set wohl besonders in die Herzen des Publikums spielten, was zum Teil auch an ihren humorigen Ansagen gelegen haben dürfte. Sie machten ein Foto von der Bühne herab ins Publikum, welches sie später auf facebook hochluden, damit sich ein jeder dort selbst markieren konnte. Das taten auch viele, wie sich auf dem Pic mittlerweile feststellen läßt.



Zwischen Full Set und Dougie MacLean hatte der Festival Gott noch eine Verlosung eingeplant. Irland / Folk Pakete waren ausgelobt worden mit Kaffeetasse, drei CDs, Irland Postkarten, zwei Folker- und einem Irland Magazin etc. Und als zweiten Gewinnernamen rief Moderator Keith Bailey den meinigen auf. Eine nette Zugabe.

Endlich war es dann soweit. Dougie MacLean betrat die Bühne und startete mit "Feel so near" gleich prominent in sein Set. Dougie ermunterte die Fans nicht nur zum mitsingen, sondern brachte ihnen auch die Refrains seiner Songs bei. Man fühlte sich ein wenig in die eigene Schulzeit versetzt, als man nach dem "listen and repeat" Modell gemeinsam Vokabeln und Sätze lernte. Dougie bewies dabei, daß man sich selbst gar nicht so ernst nehmen muß, um als Singer / Songwriter zu überzeugen. Manchmal fühlte ich mich ein wenig an Fredl Fesl erinnert. Nicht, daß Dougie sein Publikum in perfektem bayrisch angesprochen hätte, doch bevor er einen Song spielte, erklärte er ihn zunächst ausführlich - manchmal floß dabei sogar ein wenig deutsch mit ein. Caledonia sollte an diesem Abend der einzige Song sein, welchen er "einfach so", ohne große Vor- und Zwischenreden, spielte. Ein Indiz dafür, welchen Stellenwert er wohl auch selbst diesem großartigen Lied beimißt.



Nach seinem Gig setzte das große Aufbrechen ein. Auch Hendrik und Ich hatten für uns entschieden, sich nun in die Pension zurückzuziehen. Helga und Hanno hatten sich freundlicherweise bereit erklärt, uns mit dem Wagen dorthin zu fahren (vielen Dank nochmal dafür!!!), so ließen wir den Auftritt der Rausschmeißer von Bachelors Walk (Irl / D) aus.

Im Gegensatz zum Freitag war es am Samstag komplett trocken geblieben. Dafür regnete es am Sonntag früh, als wir uns gegen halb zehn auf den Rückweg in den Spessart machten. Doch die Autobahn war weitestgehend frei und so erreichten wir um kurz nach 12 Uhr wieder heimische Gefilde. Im Gepäck viele schöne Momente mit lieben Freunden und wunderbarer Musik. Der Trip ins Ruhrgebiet hatte sich wirklich gelohnt.