Sonntag, 29. Dezember 2013

Sechs Richtige zu Weihnachten - Xmas Whisky Tasting im Dead End

Traditional Xmas Whiskytasting in der Dead End Bar - als ich davon auf Facebook las, stand für mich fest, daß ich mir dieses Vergnügen am 2. Weihnachtsfeiertag gönnen würde. Also wurde ich wenige Tage darauf im Royal Spirits - dem Whisky-u. Spirituosenfachgeschäft, welches ebenfalls von Michi und Katja, den Dead End Wirten, in Aschaffenburg betrieben wird, vorstellig, um mich dafür anzumelden.

Das Tasting war für Donnerstag Abend um 19:00 Uhr angesetzt und so fand ich mich rechtzeitig in Aschaffenburg's führender Whisky Bar ein. Michi bat die zehn weiteren Teilnehmer und mich in den Nebenraum, wo zwei Tische eingedeckt waren. Ich kannte niemanden von den anderen Whiskyliebhabern, was sich allerdings schon bald änderte.



Michi hat eine sehr lockere, legere Art sowohl als Wirt, als auch als Leiter eines Tastings. Schließlich sitzt man hier ja zusammen um gemeinsam Spaß und Freude am verkosten der edlen Destillate zu haben. Dabei kommen die begleitenden Informationen keineswegs zu kurz, denn in dieser relativ kleinen Runde darf und soll natürlich auch jeder Teilnehmer seine Empfindungen und Gedanken ebenso kundtun, wie der Master, der auf einem Barhocker zwischen den beiden Tischen saß und hinter sich die Whiskies dieses Abends aufgebaut hatte.

Der erste Whisky im Glas war ein Hibiki. Ich gebe zu, daß ich noch nie zuvor von einem Hibiki gehört hatte. Was aber daran lag, daß ich mich noch nie für japanischen Whisky interessiert hatte. Dies war also eine echte Premiere für mich. Hibiki ist ein zwölf Jahre alter Blend mit 43 % Alkoholgehalt, von dem Michi zu berichten wußte, daß die Japaner die Kunst des Whisky destillierens über viele Jahre in Schottland erlernt hätten. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen und so konnte der Hibiki auch mich überzeugen. Ein echter Schotte, made in Japan.   

Als nächstes wurde uns ein 21 Jahre alter Aultmore, abgefüllt von A.D. Rattray, kredenzt. Beim Nosing entfalteten sich vielerlei Aromen, die von frisch gehobelten Sägespänen bis zu leicht bitteren Schokoladennoten reichten und beim verkosten durchaus auch Anklänge von Lakritze und Gin enthielten. Die 49,4 % dieses Speyside Whisky waren ein erster Höhepunkt an diesem Abend.



Whisky Nummer drei war ein Glen Grant, 20y, Port wood finish von Cooper's Choice mit 48,3 % und somit ebenfalls ein Speyside Whisky. Man darf diesen Glen Grant nun keineswegs mit dem in hiesigen Kaufhäusern angebotenen Massenprodukt gleichstellen. Gleichwohl jener mit rund 15.- € eine gute Möglichkeit ist, in die Materie Whisky einzutauchen, offenbarte der hier verkostete 20jährige doch durch die Bank andere Perspektiven. Anfangs nach eher hellen Früchten wie Stachelbeere und saurem Apfel a la Granny Smith riechend, kehrt er sich beim Trinkgenuß doch zu einer leichten Süße um. Somit zeigt er sich vielseitig und überraschend anders vom ersten Nosing hin zum Abgang. Das mag den ein oder Anderen ein wenig verwundern, verleiht dem Whisky allerdings eine ganz eigene Note.

Nach der dritten Verkostung reichte uns Katja einen Snack in den Nebenraum. Blätterteig Törtchen mit Schinken und Käse gefüllt und überbacken waren eine leckere Bereicherung des gesamt kulinarischen Angebotes.

Der vierte Whisky dieses Abends war der erste Islay Malt des Tastings. Ein Bunnahabhain XMas Malt 22y Whisky Chamber mit 53,2 % der exakt am 24. Dezember 1990 destilliert wurde und von dem ganz genau 229 Flaschen abgefüllt wurden. Der in einem Sherry Fass gereifte Bunna präsentiert sich beim nosen mit dunklen Früchten und Pfefferaromen, zeigt sich aber auch ein wenig holzig. Beim verkosten offenbaren sich dunkle Früchte wie Pflaumen oder Sauerkirschen, aber auch Schokolade. Nun bin ich ja im allgemeinen kein Freund davon, dem Whisky Wasser hinzuzugeben. In diesem Fall ließ ich mich mal wieder darauf ein und muß sagen, daß die drei Tropfen (oder waren es vier?) den Nosingaromen gut taten, mir das Trinkerlebnis aber eher vergällten. Ich bleibe also dabei: Kein Wasser in meinem Single Malt.



Der vorletzte Whisky an diesem Abend war eine Abfüllung von Berry Brothers & Rudd aus dem Jahre 1994. Ein Springbank mit 55 %, der sich als typisch für diese Campbeltown Distillerie erwies. Michi brachte es mit dem Verb "ruppig" wohl genau auf den Punkt, doch auch andere Umschreibungen wie "Vollbremsung" oder "verbranntes Gummi" beschreiben den Charakter dieses Single Malts sehr zielsicher. Mild im Abgang entwickelt der Springbank einen würzigen Nachgeschmack. Neben dem zuvor verkosteten Bunnahabhain meiner Meinung nach der beste Whisky des Abends.

Zum Abschluß servierte uns Michi noch die XMas Edition des Big Peat mit 54,9 %. Ein Blend aus vier Islay Distillerien (Port Ellen, Ardbeg, Caol Ila, Bowmore), den ich Anfang März schon bei der Whisky Messe in Nürnberg probiert hatte (wenn auch nicht die 2013er Weihnachts Ausgabe) und der mich, trotz der großen Namen und seiner Herkunft, nicht vollständig überzeugen konnte. Weder in Nürnberg, noch jetzt im Dead End. Selbst Aromen wie Citrus oder geräucherter Schinken vermögen es nicht, daß ich mich zum Kauf einer Flasche Big Peat durchringen könnte. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden und das ist auch gut so.

Hiernach war der offizielle Teil des Xmas Tastings beendet. Klar hockten wir uns danach noch im Lokal zusammen und ließen den Abend auch noch mit einem guten, frisch gezapften Bier ausklingen. 

Und bevor ich es vergesse: Die Dead End Bar ist nicht nur irgendeine Whisky  Kneipe, sondern wurde kürzlich sogar zu Deutschland's bester Whisky Bar des Jahres 2013 gekürt. Hier ist der Whisky Freund also bestens aufgehoben.

Da ich an diesem Abend selbst keine Bilder gemacht habe, greife ich für diesen Blog auf Fotos von der Facebook Seite des Dead End zurück. Michi's und Katja's Einverständnis einfach mal vorausgesetzt.

Hier geht es zur Facebook Seite des Dead End
Hier findet der Whiskyfreund die offiz. Website des Dead End               

Sonntag, 8. Dezember 2013

Biathlon zum Genießen - ein Tag in Hochfilzen

Es ist ja im Allgemeinen bekannt, daß ich seit Jahren ein großer Biathlon Fan bin. In den letzten zehn Jahren war ich deshalb auch schon in Ruhpolding, Oberhof, Antholz und sogar auf Schalke. Am 7. Dezember konnte ich meinem Tour Plan nun einen weiteren Ort zufügen: Hochfilzen im Pillerseetal in Tirol, Österreich.

Um 2 Uhr 50 in der Früh ging es für meine Tochter Victoria, meinen Sohn Hendrik und mich los. Ab ins Auto und erstmal Richtung München gedüst. Kurz hinter der Landeshauptstadt, an der Raststätte Hofoldinger Forst legten wir um 6 Uhr 20 eine rund 20minütige Pause ein. Danach setzte sich Vicky ans Steuer und kutschierte uns über die Inntal Autobahn bis Kufstein und von dort noch ca. 50 Kilometer über Land bis nach Hochfilzen in den Kitzbüheler Alpen.



Dort trafen wir um ca. 8 Uhr 20 ein und fuhren direkt auf einen der zahlreichen Parkplätze, wo wir von Helfern der Freiwilligen Feuerwehr eingewiesen wurden. Kurz noch winterfest gemacht, stiefelten wir dann auch schon zum Biathlonstadion, welches in nur etwa zehn Fußminuten zu erreichen ist. Das hebt Hochfilzen schonmal von den anderen, oben genannten Weltcup Orten ab, wo die Stadien außerhalb der Ortschaften liegen und man normalerweise mit Shuttlebussen hingebracht wird. Wer als Tourist sein Hotel- oder Gästezimmer in Hochfilzen selbst hat, ist in längstens 25 Minuten dorthin gelaufen.

Wir waren also recht früh, rund drei Stunden vor dem ersten Wettbewerb, da. In Oberhof z.B. würde da schon der Bär steppen, Menschenmassen würden sich über die weit verzweigten Wege walzen, der Alkohol hätte längst das Kommando übernommen und die unzähligen Catering Stände und Merchandise Zelte wären von Trauben lustig - bunter  Biathlon Fans umlagert.



Switch - jetzt beleuchten wir die Szenerie in Hochfilzen. Zu dieser frühen Zeit sind noch nicht einmal alle Stände geöffnet, die Tribünen sind noch weitestgehend leer und die Zuschauerplätze entlang der Strecke und auf dem "Damm" sind ebenso nur von vereinzelten Fans belegt. Das Gelände ist schnell erkundet, da bei weitem nicht so riesig. Dennoch werden später mehr als 14.000 Zuschauer da sein. Doch die Österreicher sind irgendwie knuffig. Die bringt nichts aus der Ruhe. Warum auch? Am Ende wird es, wie man hier in der Alpenrepublik zu sagen pflegt, sich eh' ausgehen. 

Aus den Boxen läuft Musik. Aber erstmal nur 70er Jahre Mucke. Keine Apres Ski - Party- Ballermann Hits. Moderation ist auch nicht. In Oberhof oder Ruhpolding wären schon ein, zwei Heißmacher und ein DJ am Werk um die Leute anzutörnen. Und tatsächlich; eine Stunde vor dem ersten Bewerb sind tatsächlich zwei Moderatoren und ein DJ am Start. Und was sie zu bieten haben, gefällt mir. Sie wechseln ständig den Standort, was man via der beiden Videowalls verfolgen kann, interviewen Zuschauer, zeigen Filmchen, welche die Sportler beispielsweise im Hotel zeigen, machen kleine Gewinnspiele und und und. Das wirkt nicht aufgesetzt, kommt locker und sympathisch rüber und verbreitet so angenehme Kurzweil. Da fühlt man sich nicht gleich so erschlagen. Prima. Und den ein oder anderen Partyschlager gibt's dann schließlich doch.



Nun zu unserem Standort, von welchem wir aus die Rennen verfolgten. Wir hatten uns einen Platz auf dem Damm gesichert. Um es vorweg zu nehmen: ein idealer Platz mit Blick auf Start- und Zielgerade, die Tunnels, eine Abfahrt sowie den Weg aus der Strafrunde heraus auf eine Brücke. So hat man die Möglichkeit, die Biathleten pro Runde gleich viermal zu sehen. Okay, den Schießstand sieht man nicht, doch als langjähriger Besucher von Biathlon Events weiß ich, daß man live auch mehr auf die Videowall schaut, weil man die Schießeinlagen dort ganz einfach besser verfolgen kann, als wenn man die Shooting Range im Blick hat. Einige Tribünenplätze lassen den Blick dorthin zwar zu, aber die Übersicht hat man auf der Videowall tausendmal besser.

Natürlich unterstütze ich in erster Linie die Biathleten aus Deutschland, aber auch Sportler anderer Nationen genießen meinen Support. So feuere ich auch die Italiener, in der Mehrzahl ja Südtiroler, die Österreicher (besonders den Sumi mag ich) und auch die Norweger an. Ole Einar Björndalen ist schon lange einer meiner Lieblingssportler. 



Zwar reichte es in den beiden Staffeln, vormittags die Damen, am Nachmittag die Herren, nicht zu einem deutschen Sieg, aber unsere Damen wurden zumindest Zweite und vor allem die Leistungen der jungen Mädels Franzi Preuß und Laura Dahlmeier sowie der großen alten Dame des deutschen Biathlon, Andrea Henkel, ließen mich mit der Zunge schnalzen. Im Herrenteam begeisterte vor allem Arnd Peiffer, der sicher schoß und eine Top Zeit in die Loipe brannte. Okay, bei den Männern wurde es "nur" Rang sechs, dafür entschädigte der Sieg Norwegens mit dem König der Biathleten Ole Einar, der mit 39 Jahren wieder in einer Weltklasse Verfassung ist.

Um kurz vor 16 Uhr war das Rennen beendet. Wir besorgten einige Fanartikel und strömten dann mit der Heerschar der Zuschauer wieder dem Ort Hochfilzen entgegen. Die Wintersachen im Kofferraum verstaut, traten wir kurz vor halb fünf die Heimreise an. Kurz noch in einem mpreis, das ist eine in Österreich weit verbreitete Discountmarkt Kette, einige Besorgungen gemacht, ging es über Fieberbrunn, St. Johann in Tirol und viele kleine Orte auf einer kurvenreichen Strecke wieder nach Kufstein, wo wir wieder auf die in Österreich A12, in Deutschland A93 genannte Inntal Autobahn kamen, schließlich über A8, den Autobahnring A99 und die A9 bei Nürnberg wieder auf die A3 fuhren und um kurz vor 22 Uhr wieder zurück in Wiesthal waren. 19 Stunden unterwegs, davon rund elf im Auto, mehr als sieben Stunden im Biathlonstadion bei Eis, Schnee und Wind - ja, so ein Trip ist anstrengend. Aber auch sowas von geil. Hochfilzen hat uns alle drei vollends überzeugt. Und beim nächstenmal bleibe ich auch länger dort. Ist nämlich echt schön da. 

Ach ja: Nach dem zweiten Rennen hätte ich beinahe Martina Beck, ehemals Glagow, umgerannt. Wenn sie aber auch so zierlich ist...    


Sonntag, 24. November 2013

Leaves' Eyes - Symphonies of the Night

Mit "Symphonies of the Night" legt das deutsch - norwegische Gothic / Symphonic Metal Schlachtschiff Leaves Eyes sein fünftes Full Length Album seit seiner Gründung 2003 vor. Und diesesmal kommen ihre epischen Hymnen mit einem deutlichen Plus an Härte und Bombast um die Ecke. Wie Sängerin Liv Kristine bestätigt, sei dies ein "völlig natürlicher Prozess, denn wir wollten endlich einfach richtig losrocken."

Das gelingt ihr und ihrer formidablen Truppe auf "Symphonies of the Night" über das gesamte Album hinweg. Schon der vorab als Appetizer veröffentlichte und im Sommer auf Festivals bereits live erprobte Opener "Hell to the Heavens" macht unmißverständlich klar, wohin die Reise geht. Neben Liv Kristine's über allem thronenden Sopran setzt ihr Ehemann Alex Krull mit seinen Gothic typischen Growls entsprechende Highlights. 

Als ich das Album auf einer nächtlichen Autofahrt durch dunkle Wälder zum ersten Mal hörte, brannte sich fast jeder Titel augenblicklich in meinem Gehörgang fest. Fast darum, weil mir das zweite Stück des Longplayers, "Fading Earth" zunächst etwas abzufallen schien. Ein Eindruck, der sich nach mehrmaligem Hören ad absurdum führen ließ, denn der Song lebt nicht zuletzt von seinen raffinierten Gitarrenläufen.   

Bei "Maid of Lorraine" stellen sich die ersten Folk Elemente des Albums ein. Die Wechsel zwischen dem feinsinnigen Gesang der Norwegerin und Alex' Growls sind excellent aufeinander abgestimmt und lassen den Track in Verbindung mit dem treibenden Rhythmus zu einer akustischen Orgie erster Güte aus den Boxen donnern.



Doch wer nun glaubt, Leaves' Eyes hätten damit ihr Pulver verschossen liegt komplett falsch. Auch das nächste Lied, "Galswintha" startet folkig und steigert sich alsbald zu einer Hymne, die das Zeug zu einem echten Live Kracher hat.

Heldinnen aus der Sagenwelt oder dem Mittelalter ziehen sich als Thematik wie ein roter Faden durch die neuen Songs. Auch der Titelsong "Symphony of the Night" folgt diesem Konzept, dem Liv Kristine mit viel Tiefgang und Poesie Leben einhaucht. Die Dramatik nicht nur dieses Tracks wird vom wohl dosiert eingesetzten Orchester perfekt untermalt.

Das getragene und mit keltischen Pipes aufgepeppte "Saint Cecilia" könnte ebensogut aus der Feder eines Tuomas Holopainen stammen. Und der ist sicherlich nicht die schlechteste Referenz für synphonischen, epischen Metal.

Glaubt der geneigte Hörer, der verhaltene, textlich in norwegisch gehaltene, Beginn von "Hymn to the lone Sands" sei ein Indiz dafür, daß der Band Mitte des Albums plötzlich die Power ausgeht, wird von den urplötzlich einsetzenden zupackenden Riffs von Sander van der Meer mit einem Schlag wieder in die Realität geholt. Ungewöhnlich auch das Gitarrensolo, welches ich eher im Set einer Power Metal Band verorten würde. Eine gelungene Überraschung.

"Angel and the Ghost" scheint mir der kommerziellste Track des Albums zu sein, dem Ich ohne die Growls sogar Chartchancen einräumen würde. Doch davor schreckt das deutsche Mainstream Radio ja zurück.

Mit viel Drive wird die Geschichte von "Eleonore de Provence" erzählt, ein weiteres Meisterwerk der Produktion, die den einzelnen Werken ihre Ecken und Kanten läßt, ihnen jedoch auch den passenden Feinschliff verordnet, um Band und Musik in ihrem Fluß nicht zu beschneiden.

Bei "Nightshade" fahren Leaves' Eyes das Tempo noch einmal ein wenig zurück, um mit "Ophelia" einen Rausschmeißer zu präsentieren, der alle Trademarks der Band und ganz besonders dieses Albums, noch einmal auf höchstem Level vereint und den Hörer begeistert - fasziniert zurück läßt.

Doch dieser hat ja die Möglichkeit, sich die Symphonien der Nacht gleich noch einmal durch die Gehörgänge zu jagen. Keine Frage: Leaves' Eyes haben mit diesem Opus ihr bisheriges Meisterwerk abgeliefert. Schwächen sind auch nach tagelangem, mehrmaligem durchhören nicht auszumachen. Ein wahrer Meilenstein im Schaffen von Leaves' Eyes.

Tracklist:
01. Hell To The Heavens
02. Fading Earth
03. Maid Of Lorraine
04. Galswintha
05. Symphony Of The Night
06. Saint Cecelia
07. Hymn To The Lone Sands
08. Angel And The Ghost
09. Éléonore De Provence
10. Nightshade
11. Ophelia


Release Date: 15.11. 2013  -  Napalm Records

Punkte: 10 / 10  

Review by MC Lucius

Freitag, 1. November 2013

Wolfsnächte 2013 - Powerwolf zelebrieren die Messe der Nacht

Wolfsnächte - unter diesem Motto tourt die Metal Band Powerwolf in einem Package, also mit in diesem Falle drei weiteren Bands, durch Europa. Powerwolf sind dabei der Headliner. Die Saarländer schafften es im Sommer dieses Jahres mit ihrem aktuellen Longplayer "Preachers of the night" auf Platz 1 der deutschen Albumcharts. Im August sah ich die Formation auf dem Summerbreeze in Dinkelsbühl zum ersten Mal live ( http://habemus-lucius.blogspot.de/2013/08/menschenmassen-met-und-metal.html). Seither bin ich ein Fan von Powerwolf. Und nun gastierten sie im nur gut 120 Kilometer von Wiesthal entfernten Geiselwind. Keine Frage, das durften sich mein Junior Hendrik und ich nicht entgehen lassen.

Doors open war für 18:00 Uhr angesetzt. Um ca. dreiviertel Sechs waren Hendrik und ich an der Halle. Allzu viele Leute standen noch nicht da, doch wir wussten, daß der Laden ziemlich voll werden würde. In der Halle, in der ich vor reichlich zwanzig Jahren schon das ein oder andere Mal abgefeiert hatte, steuerten wir einen Tisch mit vier Barhockern an. So ersparten wir es uns, die nächsten rund fünfeinhalb Stunden stehen zu müssen. Und ja, eines gleich vorweg: Man kann ein Metal Konzert auch sitzenderweise genießen. 



Um 19:00 startete die erste Band ihr Set. Wisdom aus Ungarn eröffneten den Abend mit ihrem Power Metal. Amtliches Headbanging war bei den Budapestern angesagt. Das besondere an ihrer Musik ist, daß sich die Texte ihrer Songs jeweils auf ein Zitat eines bekannten Denkers beziehen. Dazu haben sie eine Fantasy Figur namens "Wiseman" erschaffen, der sich als roter Faden durch ihre Alben zieht. Auch wenn ihr Auftritt nur 32 Minuten dauerte, schafften sie es doch, die 1.500 Metaller in der Music Hall auf dem Autohof Strohofer anzuheizen. Von ihnen hätte ich mir auch noch mehr angehört. Wisdom waren richtig gut, aber im Rahmen eines solchen Abends müssen sich die Künstler, ähnlich wie auf Festivals, an einen klar definierten Zeitplan halten.

Nach nur elf Minuten Umbaupause enterten Battle Beast die Bühne. Hendrik und ich hatten die Finnen vor anderthalb Jahren schon einmal als Support für Nightwish in Düsseldorf gesehen. Damals noch mit einer Sängerin, von der man aus größerer Entfernung nicht sagen konnte, ob sie Männlein oder Weiblein war. Seit November 2012 aber haben sie eine neue Vokalistin und bei ihr gab es keinen Zweifel, welchem Geschlecht sie zuzuordnen ist. Doch nicht nur optisch eine Aufwertung, bringt dieses Mädel auch ein Organ mit, welches dem ihrer ebenfalls überzeugend shoutenden Vorgängerin, in nichts nachsteht. Angetrieben von der Double Bass Drum preschten der blonde Wirbelwind Noora und ihre Jungs über die Bühne und ließen ihren donnernden Heavy Metal, der durchaus in der Tradition von Gruppen wie Iron Maiden oder W.A.S.P steht, auf die begeisterten Metal Maniacs hernieder prasseln. Battle Beast standen 42 Minuten auf der Bühne und überzeugten uns anno 2013 deutlich mehr als im Vorjahr.

Es dauerte dann wiederum elf Minuten, bis der nächste Act sein Set starten konnte. Um 20:36 Uhr hieß es Bühne frei für Majesty. Ich habe kürzlich ihr aktuelles Werk für ein Metal Webzine rezensiert (http://habemus-lucius.blogspot.de/2013/10/majesty-thunder-rider-meine-zweite.html) und war darum besonders an ihrer Live Performance interessiert. Bandgründer und Frontmann Tarek und seine Band sind Verteter des True Metal, gelten als deutsche Version von Manowar. Aus dem benachbarten Baden Württemberg stammend, hatten Majesty in Geiselwind eine Art Heimspiel und das zeigte sich auch daran, daß sie, neben Powerwolf natürlich, die größte Fangemeinde hinter sich hatten. Majesty wurden für ihre Fantasy Epen gnadenlos abgefeiert. Selbst ein Track wie "Metal Union", der auf dem Album vor allen wegen seines reichlich banalen Refrains eher verzichtbar wirkt, überzeugte hier in einer Art und Weise, daß ich mich fragte, warum manche Titel sich nur live entfalten können, auf CD jedoch jegliche Zugkraft vermissen lassen. "Metal Union" stand am Ende des Gigs von Majesty und beim großen Finale wurden die drei Streitäxte (Bass, zwei Gitarren) in der Bühnenmitte übereinander gekreuzt, was ein theatralisches Schlußbild abgab. Um 21:19 Uhr ging dieser Gig zu Ende. Fazit: Majesty live kann ich ruhigen Gewissens empfehlen.



Nun sollte es eine halbe Stunde dauern, bis die Priester der Nacht zu ihrem Intro "Lupus Daemonis" ihre Messe zu zelebrieren begannen. Tosender Beifall der anderthalb tausend Powerwolf Jünger brandete durch das nahezu ausverkaufte Auditorium, als Attila Dorn, Falk Maria Schlegel, Charles und Matthew Greywolf sowie Roel van Helden auf die Bühne kamen und mit "Sanctified with dynamite" gleich mächtig los powerten. Nach "Prayer in the dark" gab es mit "Amen and Attack" den ersten Song des aktuellen Albums "Preachers of the night", welches neben "Bible of the Beast" und "Blood of the Saints" meines Ermessens nach der stärkste Output der fünf Wölfe ist. An den Titeln merkt nun auch der letzte Laie, daß die Kirche das zentrale Thema in der Powerwolf Musik darstellt. Dabei verdammen sie den Klerus ebenso wenig wie sie ihn glorifizieren. Die Kreuzzüge beispielsweise stehen auf "Preachers..." im Mittelpunkt, doch Powerwolf schaffen es, das Thema nicht zu beurteilen, sondern einfach ihre Sicht auf die Dinge darzustellen. Der sakrale Sound, getragen von kirchlichen Orgelklängen und Chören, ist ein unverwechselbares Wiedererkennungsmerkmal von Powerwolf.

Über "All we need is Blood" und "Sacred and wild" kamen Powerwolf zu den beiden Tracks, die nichts mit Kirche am Hut haben, sondern mit dem männlichen Geschlecht. "Resurrection by Erection" (Auferstehung durch Erektion) und "Coleus sanctus" (Heiliger Hodensack) zitieren dennoch kirchliche Begriffe wie Hallelujah oder Ave Maria. Nach dem obligatorischen Drum Solo ihres holländischen Trommlers präsentieren Powerwolf den einzigen deutschsprachigen Track ihres Katalogs, "Kreuzfeuer". Auf dem Summerbreeze noch mit einem drei Meter hohen brennenden Kreuz auf der Bühne dargeboten, müssen Band und Fans bei Hallenshows darauf leider verzichten. 



Vor "Werewolves of Armenia" interagieren Attila und Falk rund fünf Minuten mit dem Publikum, wie man überhaupt sagen muß, daß gerade der rumänisch stämmige Sänger sehr viel mit den Fans spricht. Mindestens eine halbe Stunde ihres 99minütigen Sets geht dafür drauf. Vielleicht stört sich der ein oder andere daran, mir aber gefällt das. "Dead boys don't cry", "We drink your blood" (einer meiner Favoriten in der Setlist) und "Lupus Dei" beenden schließlich das reguläre Set, aber natürlich kommen die Wölfe nicht ohne Zugaben davon.

Das energiegeladene "Raise your fist, Evangelist" und das auch an einem Donnerstag funktionierende "Saturday Satan" gingen der letzten Zugabe "In the name of god (Deus Vult)" voraus, einem perfekten Rausschmeißer, der die Powerwolf Jünger, also auch Hendrik und mich, zufrieden in die Nacht entließ. Nachdem wir am Merch Stand erfahren hatten, daß die Band nicht zur Autogrammstunde eben dorthin kommen würde, entschlossen wir uns direkt nach Hause zu fahren. Nach einer störungsfreien Fahrt von 70 Minuten waren wir um kurz vor ein Uhr nachts wieder daheim. Die Messe war gesungen.      

Hier geht's zur Setlist von Powerwolf in Geiselwind und zu Links zu den Setlists der dei anderen Acts.

Die Bilder auf dieser Seite zeigen ausschließlich Powerwolf on stage. An dieser Stelle entschuldige ich mich dafür, daß ich nun wahrlich kein Konzertfotograf bin. Im übrigen hat die Pics mein Junior Hendrik geschossen. Sind halt nur Smartphone Fotos.
  

Donnerstag, 31. Oktober 2013

On the loose - SAGA im ausverkauften Colos Saal

Anfang der 1980er Jahre entdeckte ich als Teenager die kanadische Neo Prog Band SAGA für mich. Vor allem die Alben "World's Apart" und "Heads or Tales" hatten es mir angetan. Daß es rund 30 Jahre dauern sollte, bis ich die Jungs um Michael Sadler mal live sehen durfte, hätte ich mir damals auch nicht träumen lassen. Aber jetzt war es endlich soweit. Zum wiederholten Male gastierten sie im Aschaffenburger Colos Saal und endlich war auch ich mal dabei. Begleitet wurde ich von meinem Kumpel Ralf und meinen Sohn Hendrik.

Um kurz nach 19:00 waren wir im Live Music Club des Jahres. Seit Wochen schon war das Konzert ausverkauft, aber wie immer im Colos Saal ist das Publikum gechillt genug um nicht schon mit Saalöffnung das Auditorium zu stürmen. So füllte sich der Saal erst nach und nach. Wir hatten uns für einen Platz etwa in der Mitte entschieden.



Pünktlich um acht Uhr begann die Vorgruppe ihr Set. Erst knapp zwei Wochen vor dem Termin wurden Felidae Trick als Support Act bestätigt. Ursprünglich eine israelische Band residieren Sänger Omer Liechtenstein und seine drei Musiker mittlerweile in Deutschland. Musikalisch jedoch sind sie im Großbritannien der 80er Jahre beheimatet. New Wave ist das Schlagwort für die Musik des Quartetts. Neben Omer verkörpert vor allem Gitarrist Julian den Zeitgeist jenes Jahrzehnts auch äußerlich. Immer wieder kam mir der Name einer damals typischen englischen New Wave Band, nämlich A Flock of Seagulls, in den Sinn. An jene erinnerten mich die Jungs vor allem wegen ihrer Frisuren. Vermischt mit ein wenig Indie Rock und - wer mag es ihnen bei ihrer Herkunft verdenken - dem ein oder anderen orientalischen Touch, boten Felidae Trick in ihrem 29minütigem Set neun kurze, druckvolle Songs, die live gespielt deutlich mehr Power hatten als die Clips, die ich mir im Vorfeld auf YouTube angesehen hatte. Damit war es dann aber auch gut. Felidae Trick hatten eine saubere Eröffnung gespielt, nicht mehr und nicht weniger.

Nach einer 20minütigen Pause ertönten dann ab 20:49 Uhr die ersten Töne von "Ice Nice" aus dem 1978er Debut Album von SAGA. Der Song startet etwas verhalten, steigert sich aber mit dem Erscheinen von Gitarrist Ian Chrichton auf der Bühne in ein wahres Klang Abenteuer. Und dann feuern sie als zweites Stück mit "On the loose" einen ihrer größten und bekanntesten Hits ab. 700 Fans im picke packe vollen Colos Saal singen aus vollen Kehlen mit. Michael Sadler kann es dem Publikum überlassen, den Refrain zu singen. Das Ding kennt jeder in- und auswendig.

Danach wechseln sich alte ("How long?", "Mouse In a maze") mit neuen ("Anywhere you wanna go") Songs ab. Ein Unterschied läßt sich dabei nicht ausmachen. Die alten Dinger klingen ebenso frisch und unverbraucht wie die neueren Stücke, die ebenso Tiefgang haben wie die Klassiker. Sadler ist auch nach knapp vier Jahrzehnten in diesem Geschäft ein formidabler Sänger, der nicht nur stimmlich auf der Höhe ist, sondern auch als Frontmann vollends überzeugt. Wer SAGA zuvor schon einmal live erlebt hat oder ihre aktuelle DVD / Live Doppel CD "Spin it again...Live in Munich" kennt, weiß, daß der 59jährige (Respekt. Sieht man ihm nicht an) auch ausgezeichnet deutsch spricht. Er scherzt bilingual mit den Fans, was diese natürlich gebührend honorieren.



Über die unverwüstlichen "The Pitchman" und "You're not alone" geht es wieder in die Neuzeit zu "Spin it again" aus ihrem aktuellen Album "20 / 20" aus dem Jahre 2012. Danach verschwinden vier der fünf Musiker von der Bühne und überlassen diese ihrem erst im vorigen Jahr zur Band gestoßenem Drummer Mike Thorne für ein ca. vierminütiges Drum Solo. Dieses markiert das Ende des ersten Teiles des Sets. Allerdings machen SAGA keine Pause, sondern es geht nahtlos mit "Time's Up" weiter. Wieder so ein Achtziger Kracher, der das gesamte Publikum lauthals mitsingen läßt. Und erneut überläßt Sadler hier den Chorus voll und ganz den Fans. 

Gekonnt steuern SAGA das Schiff durch weitere Klassiker ihrer Geschichte bis Keyboarder Jim Gilmour seinen großen Auftritt hat und mit der lautstarken Unterstützung des Publikums sein ganz und gar nicht nur an der Oberfläche kratzendes "Scratching the surface" zum Besten gibt. In der hintersten Ecke der Bühne platziert, nimmt man ihn während des gesamten Konzertes ansonsten gar nicht so richtig wahr. Michael Sadler, während "Scratching..." offstage, kehrt danach wieder ins Rampenlicht zurück und mit "Wind him up" lassen die Kanadier eine weitere Rakete ihres Programms vom Stapel. Und wer darf wieder den Refrain singen? Richtig, die Hundertschaft an SAGA Jüngern im Saal. Mit "Tired World (Chapter 6") beendet die Neo Prog Institution aus Toronto ihr reguläres Set unter tosendem Jubel und Beifall der Menschen im Colos Saal.



Zur ersten Zugabe "Humble Stance" übernimmt Sadler den Bass seines Kollegen Jim Crichton, welcher an eines der drei Keyboards wechselt. An dieser Stelle sei einmal gesagt, daß ich ja mehr auf Gitarren als auf Keyboards und Synthesizer stehe, aber bei SAGA sehe ich darüber hinweg. Denn ihr Sound ist alles andere als synthetisch oder künstlich. Mit "Don't be late (Chapter 2"), der zweiten Zugabe, geht nach 102 Minuten ein Gig zu Ende, welcher zu den Highlights in meinem persönlichen Konzert Jahr 2013 zählt. 2014 gehen SAGA mit ihren englischen Prog Kollegen "Magnum" auf Double Headliner Tour. Sollte man sich dick im Kalender anstreichen.

Apropos Prog Kollegen: Unmittelbar vor "Scratching the surface" spricht Sadler einen jungen Mann im Auditorium an, der ein T - Shirt von SAGAs kanadischen Prog Kollegen "Rush" trägt. "Hey, das ist ein Rush Shirt. Wir sind aber SAGA. Du bekommst jetzt sofort von mir ein SAGA Shirt, wenn du auf der Stelle das Rush Shirt aus- und unseres anziehst." Der Typ zögert natürlich keinen Augenblick und wechselt vom Rush ins SAGA Shirt, welches der Sänger ihm sogleich zuwirft. So kommt man auch an ein neues Tour Shirt.        


Mittwoch, 9. Oktober 2013

Majesty - Thunder Rider. Meine zweite Rezension

Nach meinem Einstieg als Reviewer bei metalfields.net mit "Black Masquerade" von Rainbow kommt hier nun meine zweite CD Besprechung "Thunder Rider" von Majesty.



Nach einer zwischenzeitlichen Umbenennung in MetalForce zwischen 2008 und 2011 firmiert die True Metal Band aus dem Süden der Republik mittlerweile wieder unter ihrem ursprünglichen Namen Majesty. Nach einer Best of Compilation 2011 erfreut der Fünfer seine Fans anno 2013 mit dem ersten regulären Majesty Studioalbum seit sieben Jahren.

Erfreut? Zumindest ungeteilt dürfte die Freude nicht sein. Zu eng ist das Korsett geschnürt, welches man sich selbst verpasst hat. Klar, die typischen Trademarks des True Metal, ganz im Stile von Manowar, den großen Idolen von Bandleader Tarek Maghary, sind augenblicklich herauszuhören. Epische, knallige Fantasynummern, die bestens zum heroischen Layout des Albumcovers passen, stehen auf der Habenseite von "Thunder Rider". Besonders "Warlords of the Sea", "Metalliator" und "Rebellion of Steel", von der Doublebassdrum vorangetrieben, feuern Salven ab, die den geneigten Hörer von Anfang an mitreißen.

Doch auf der anderen Seite stehen auch Tracks, die bei mir den Eindruck erwecken, als seien es lediglich Demos. Da platzt keine Bombe, da explodiert nichts, es tut sich einfach viel zu wenig. Zu brav und zu uninspiriert kommen Stücke wie "Make some noise" und die letztlich verzichtbare Ballade "Asteria" daher. Diese hätte sogar das Potenzial, zu Höherem berufen zu sein, doch zuviel Zuckerguß in Form von Streichern in Verbindung mit der zu glatten Produktion verhindern dies.



Ganz reizvoll kommt hingegen "Raise the Beast" daher, das mit Tempiwechsel und einem göttlichen Gitarrensolo aufwartet. Als knackiger Rocker präsentiert sich "New Era", der sich vom ersten Hören an in den Gehörgängen festsetzt und in bester True Metal Manier auch seinen epic moments Auftrag erfüllt.

Mehr versprochen hatte Ich mir nach der Ankündigung im Pressetext allerdings vom Schlußtitel des Albums, "Metal Union". Hier bekommt der Fan neben Tarek eine ganze Reihe illustrer Gastsänger geboten. Sven D´Anna (Wizard), Hannes Braun (Kissin' Dynamite), Mat Sinner (Primal Fear / Sinner), Patrick Fuchs (Ross the Boss), Andreas Babushkin (Paragon) und Marta Gabriel (Crystal Viper) geben sich die Ehre, können die ohne Kanten produzierte und mit einem doch recht banalen Refrain (Metal Union, together one by one, we sing that mighty song, we keep on fighting / Metal Union, united we all stand, from all over the land, now we are rising) versehene Nummer jedoch auch nicht vor dem Absturz retten. 

So stehen gelungene True Metal Hymnen neben Stücken, die bei etwas mehr Tiefgang durchaus zu langlebigen Ohrwürmern hätten werden können. Im Großen und Ganzen zwar ein Album, welches den eingefleischten Majesty Fans all das bietet, was sie sich davon erhofft, mindestens aber erwartet, haben. Um damit neue Anhänger zu rekrutieren, müssten diese allerdings der Band schon vorab wohlgesonnen sein.

Da bei aller Kritik jedoch letztlich mehr gelungene als schwache Songs auf dem Album enthalten sind, kommt "Thunder Rider" schließlich doch noch zu einer positiven Bewertung. Doch auch am Hofe seiner Majestät wird man wissen, daß man in der Vergangenheit schon Überzeugenderes abgeliefert hat. 

Tracklist:
1. Thunder Rider
2. Warlords Of The Sea
3. Anthem Of Glory
4. Make Some Noise
5. Metalliator
6. Raise The Beast
7. New Era
8. Asteria
9. Young And Free (Special Edition Bonus Track)
10. Rebellion Of Steel
11. Metal Union

VÖ: 04.01.2013  -  Noiseart Records

Punkte: 7 / 10

Review by MC Lucius   

Dienstag, 8. Oktober 2013

Rainbow - Black Masquerade. Eine Review von Lucius

Nach langer Zeit des Überredens hat es der Macher von metalfields.net nun geschafft, mich als Reviewer für sein Webzine zu gewinnen. Das erste Album welches Ich rezensiert habe, ist die aktuelle Doppel Live CD Black Masquerade von Ritchie Blackmore's Rainbow, eine Band, die ich schon als Teenager toll fand.

Nachdem sich Ritchie Blackmore 1993 endgültig von Deep Purple verabschiedet hatte, reanimierte er seine zuvor bereits von 1975 bis 1984 aktive Band Rainbow. Allerdings versammelte der Saitenhexer dabei keine früheren Bandkollegen um sich, sondern holte - zum damaligen Zeitpunkt - eher unbekannte Musiker.

Mit dem 1995 veröffentlichten Album "Stranger In Us All" ging Rainbow auf ausgedehnte Welttournee, in deren Rahmen der WDR ein Konzert in der altehrwürdigen Phillipshalle in Düsseldorf für seine legendäre Konzert Reihe "Rockpalast" übertrug. Das damals mitgeschnittene Material ist nun, fast 20 Jahre später, als Doppel Live CD, ebenso wie als DVD / BlueRay, erhältlich.

Nach dem Intro legt die Band mit Sänger Doogie White, der auch das vorige (und damit letzte) Studioalbum eingesungen hatte, mit "Spotlight Kid" einem Song aus der Joe Lynn Turner Ära, befreit und vor Kraft strotzend los. Schon an den ersten Tönen ist zu hören, mit welcher Spielfeude sowohl der Meister höchstselbst, als auch seine Mitstreiter, bei der Sache sind.

Mit dem nächsten Track "Too late for tears" stellen Rainbow einen von insgesamt sechs Songs von "Stranger In Us All" vor, darunter auch die Adaption von Edvard Grieg's "In der Halle des Bergkönigs" "Hall of the Mountain King". Als herausragend darf dabei auch das von Blackmore und seiner damaligen Muse und heutigen Ehefrau komponierte mystische "Ariel" bezeichnet werden, bei dem die 1995 noch als Backgroundsängerin fungierende Candice Night erstmals in den Vordergrund rückt.



Neben dem neuen Material werden natürlich auch Rainbow Klassiker wie "Man on the silver Mountain", "Temple of the King" (aus der Dio Ära) oder "Since you been gone" (aus der Zeit mit Graham Bonnet als Leadsänger) zu Gehör gebracht. Der Schotte Doogie White jedenfalls hat seine Hausaufgaben gemacht, interpretiert er das Material all seiner Vorgänger doch souverän und mit einer eigenen Note versehen.  

Seine Vergangenheit bei Deep Purple jedenfalls läßt Blackmore auch anno 1995 nicht unberührt und so darf sich das enthusiastische Publikum auch an deren Monster Hits wie "Burn", "Black Night" oder dem ebenso unverwüstlichen wie unvermeidbaren "Smoke on the Water" erfreuen.

Hört man mit welcher Energie, welcher Begeisterung Blackmore, Night, White sowie die weiteren Musiker Paul Morris (keys), Greg Smith (bs) und Chuck Burgi (dr) die, bis auf Burgi, auch schon das "Stranger..." Album zusammen eingespielt hatten, dieses Rockpalast Highlight absolvieren, fragt man sich, warum der Maestro sich danach aus der Rockmusik verabschiedete und fortan als "Blackmore's Night" gemeinsam mit Candice Night der mittelalterlichen Renaissance Musik frönte. In der Form der Jahre 1994 / 1995 hätte man sich noch zahlreiche weitere Rainbow Alben und Tourneen vorstellen können. Oder lag es wirklich daran, daß Blackmore seiner Musik keine echte Chance gegen den damals in seiner Blütezeit stehenden Grunge einräumte?

Tracklist:
CD 1:
  1. Intro / Over the Rainbow
  2. Spotlight Kid
  3. Too late for Tears
  4. Long live Rock'n Roll / Black Night
  5. Hunting Humans
  6. Wolf to the Moon / Difficult to Cure
  7. Keyboard Solo
  8. Still I'm Sad
  9. Man on the Silver Mountain
CD 2:
  1. Temple of the King
  2. Black Masquerade
  3. Ariel
  4. Since You've Been Gone
  5. Perfect Strangers
  6. Greensleeves
  7. Hall of the Mountain King
  8. Burn
  9. Smoke on the Water

Release Date: 23 August 2013 - Eagle Records


Punkte: 9 / 10
Review von MC Lucius