Freitag, 20. Juni 2014

Uriah Heep - ihr neues Album "Outsider" in der Besprechung

Einfach nicht tot zu kriegen sind die englischen Hardrocker Uriah Heep, einst nach einer Figur aus Charles Dickens' Roman "David Copperfield" benannt. Dieser Tage legten sie ihr neues, mittlerweile 24. Studioalbum vor. Und die alten Herren haben noch immer mächtig Bock auf Rock. Hier meine Review zu "Outsider":

 Uriah Heep        Outsider 

Tracklist:
Speed Of Sound
One Minute
The Law
The Outsider
Rock The Foundation
Is Anybody Gonna Help Me?
Looking At You
Can't Take That Away
Jessie
Kiss The Rainbow
Say Goodbye
Total Running Time: 49.07      Release Date 06-06-2014

Uriah Heep? Alt Herren Rock aus den 70ern? Ja. Stimmt. Aber längst nicht mehr nur. Seit die Truppe um Mick Box vor sechs Jahren mit "Wake the Sleeper" eine zehnjährige Phase ohne neues Studioalbum beendete, bringt das 1969 gegründete Urgestein des Hardrock in schöner Regelmäßigkeit Alben heraus, die beweisen, daß Uriah Heep alles andere als zum alten Eisen gehört. Noch heute läuft ihr 2011er Meisterwerk "Into the Wild" immer wieder bei mir im Auto.

"Outsider" startet trotz eines Titels wie "Speed of Sound" eher ein wenig verhalten, doch im Laufe der elf Songs wird der Hörer immer mal erfahren, daß auch die mit leicht angezogener Handbremse aus den Boxen schallenden Tracks ihren Power Background niemals verleugnen können oder gar wollen.




Das als Single ausgekoppelte "One Minute" gibt denn auch das Tempo für die nächsten vier Titel vor, und dieses wird durchgehend hoch gehalten. Hier zeigt sich, daß Bernie Shaw auch im 28. Jahr seiner Tätigkeit als Heep Fronter nichts von seiner kräftigen Stimme eingebüßt hat. Auch die für den Sound der Briten so typischen Keyboard Teppiche werden von Phil Lanzon wie immer üppig ausgerollt.

Nachdem mit "Is anybody gonna help me" wieder mal ein wenig Ruhe einkehrt, brechen mit "Looking at you" und "Can't take that away" wieder sämtliche Dämme. Besonders das variable drumming von Russell Gilbrook, der auch auf der letzten Scheibe von Avantasia ("The Mystery of Time") vollends überzeugte, begeistert mich nachhaltig. Hier ist einer der besten Drummer seiner (Hardrock) Zunft am Werk. Ihm zur Seite in der Rhythmus Abteilung der Band steht übrigens zum ersten Mal Davey Rimmer als Bassist, der den Heeps zuvor auch schon das ein oder andere Mal live ausgeholfen hatte. Er ersetzt den im vorigen Jahr verstorbenen Trevor Bolder.




In "Jessie" steht als nächstes ein weiterer Höhepunkt des Albums an, welcher zeigt, wie man als Band seine eigenen Wurzeln niemals verraten muss und sich trotzdem im 45. Jahr des Bandbestehens immer weiter entwickeln kann.     

Mit "Kiss the Rainbow" und "Say Goodbye" stehen zwei Rausschmeißer am Ende des 24. Studioalbums in der Historie von Uriah Heep, die Lust auf mehr machen. In der momentanen Konstellation sollte für Uriah Heep auch ein 25. Opus in greifbare Nähe gerückt sein. Denn auf's Abstellgleis gehört der quirlige Fünfer von der Insel noch lange nicht. Und im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen , die ebenfalls schon zwischen vierzig und fünfzig Jahren im Geschäft sind, trauen sich Uriah Heep auch heute noch an Albumproduktionen heran. Und sowohl der Erfolg, als auch die durch die Bank guten Kritiken, geben Uriah Heep recht.


Bewertung: 9 / 10

Donnerstag, 1. Mai 2014

Wo Rosen blüh'n - Subway to Sally live

Mittelalter Rock live in der Walpurgisnacht - eine vielversprechende Konstellation. Und mit der fantastischen Band Subway to Sally ist es überdies ein Leichtes, daß dieses Versprechen auch eingelöst wird. Also düste ich mit Junior Hendrik und drei seiner Schulfreunde/innen aus Aschaffenburg (Helena, Denise und Max) am 30. April nach Würzburg, wo Subway to Sally im Rahmen ihrer Mitgift Tour 2014 am Mittwoch Abend gastierten. 

Der Gig fand in der Posthalle, gleich nebenan des Würzburger Hauptbahnhofes, statt. Dort finden ca. 2.000 Leute Platz und fast so viele dürften es auch gewesen sein, die sich für das Konzert eingefunden hatten. Wir waren um kurz vor halb Acht da, doors open war für 20 Uhr angesetzt und pünktlich öffneten sich die Schleusen zur Einlaßkontrolle. 

Kaum drin, sicherten sich Max, Hendrik und Ich erstmal je ein T Shirt und fanden uns dann zusammen mit den beiden Mädchen im Auditorium ein. Wir standen leicht links versetzt vor der Bühne in etwa der zehnten Reihe. Ein perfekter Platz um die folgende Action genießen zu können.

Um Punkt 21 Uhr kamen Darkhaus auf die Bühne. Die fünf Musiker aus vier Nationen (USA, Schottland, Deutschland, Österreich) legten mit ihrem schwer zu kategorisierenden, aber irgendwo zwischen Alternative Metal und Thrash angesiedeltem Power Set gleich mächtig los und schafften es, eine euphorische Stimmung in der Posthalle zu erzeugen. 




Sänger Kenny, unüberhörbar der Schotte im Gebälk von Darkhaus, wirbelte wie ein Derwisch über die Bühne, wobei mich manch seiner Gesten weniger an Metal, denn an mir weniger sympathische Musikgenres wie Hip Hop oder Techno, erinnerten. 

Sie brachten die Tracks ihres im November 2013 erschienenen Debut Albums My only Shelter mit mächtig viel Power rüber, die Dank einer hervorragend ausgesteuerten PA glasklar bei den Leuten im Publikum ankam. Ein 42minütiger Auftritt, der seine Rolle an Anheizer 100%ig erfüllte.

Nach einer kurzen Umbaupause - Subway to Sally überzeugten mich mit ihrer ausgeklügelten Logistik bereits bei den Eisheiligen Nächten 2012 (http://habemus-lucius.blogspot.de/2012/12/eisheilige-nacht-2012-bei-munteren-acht.html ) begann um 22:03 Uhr der Gig der Potsdamer MittelalterFolkRockMetal Institution. Mit Warte, Warte und Schwarze Seide standen zwei Songs des neuen Longplayers am Anfang des Sets. Die Fans hatten aber auch diese Texte schon perfekt drauf, somit war von Beginn an das Eis gebrochen und die Stimmung war gleich auf einem High Level.




Danach ging es auf Zeitreise durch den StS Kosmos mit Stücken wie Feuerland, Wo Rosen blüh'n oder auch Traum vom Tod II (Gänsehaut pur!), ehe die sieben Musiker gleich vier brandneue Tracks hintereinander präsentierten. Das mag womöglich eine gewagte Setlist sein, erst fünf alte, dann vier neue Songs, aber - es funktionierte. Eric Fish und seine Bandkollegen hatten das Publikum komplett auf ihrer Seite.

Keine Frage: dazu trugen auch die Lightshow, die Pyroeffekte und das Stage Layout bei. Auf einem (künstlichen) Gemäuer fanden sich mehrere Drahtzäune, welche in der Bühnenmitte sogar zu einem - nach hinten allerdings - offenen Käfig verbunden waren. Dort fand sich im Laufe des Gigs fast jeder der Musiker mal ein, egal ob Geigerin Frau Schmitt, Gitarrist und Drehleierist (gibt's das Wort?) Bodenski, Eric oder wer auch immer. In Verbindung mit der Illumination der Bühne gab dies jedenfalls einige prächtige Spots ab.

Der Mittelteil des Sets bestand aus einem Acoustic Teil, bei dem es Subway to Sally dennoch mühelos schafften, die Menschen in der Halle ebenso mitzureißen wie bei ihren Power Nummern. Besonders das Stück Minne begeisterte mich, denn seit Faun dieses Lied letztes Jahr auf ihrem Album Von den Alben coverten (übrigens mit Unterstützung von StS), habe ich eine ganz besondere Beziehung dazu.




Danach packten Subway to Sally wieder eine Schippe drauf. Nun jagte ein Highlight das Andere. Nach und nach ließen sie Das schwarze Meer, Kleid aus Rosen, Falscher Heiland, Besser du rennst (mit Circle Pit vor der Bühne), Veitstanz und Tanz auf dem Vulkan auf die begeisterte und lautstark mitsingende Menge los. 

Damit ging nach 94 Minuten das reguläre Set zu Ende. Zugabe, Zugabe Rufe aber gibt es bei Subway to Sally nicht. Dafür intonieren die Fans Julia und die Räuber: Blut, Blut, Räuber saufen Blut / Raub und Mord und Überfall sind gut / Hoch vom Galgen klingt es, hoch vom Galgen klingt es / Raub und Mord und Überfall sind gut. Und siehe da. Nach rund zwei Minuten kehrten die Potsdamer auf die Bühne zurück um mit Ad mortem festinamus, Henkersbraut und dem unverwüstlichen Sieben drei weitere Stücke zum Besten zu geben. 

Danach ist Schluß. Aus. Vorbei. Oder? Nein, natürlich nicht. Denn abermals kamen StS raus um nun endlich Julia und die Räuber anzustimmen, welches natürlich komplett von den Fans gesungen wird, während die Musiker, Eric Fish diesmal sogar mit Dudelsack, (fast) nur den instrumentellen Teil beisteuern. 




Nach 116 Minuten, also beinahe zwei Stunden, war dann um 23:59 Uhr endgültig Feierabend, die Lichter im Saal gingen an und Musik vom Band (oder besser wohl von einem Laptop) machte den Menschen klar, daß der Konzert Abend damit gelaufen war. Ein fantastischer Konzert Abend bei dem alles passte. Und damit geht meine Empfehlung raus, sich Subway to Sally mal live reinzuziehen. Sie sind eine formidable Live Band und schafften es, mir das Material des neuen Albums näher zu bringen, als es das Hören rein von CD oder Stick bislang vermochte. Im Dezember spielen sie im Rahmen ihrer Eisheiligen Nächte Tour 2014 wieder in Würzburg und dann werde ich wieder dabei sein. 

Sonntag, 6. April 2014

Meet you there - Oysterband live in GiGu

20 Monate. Knapp eindreiviertel Jahre. Das kann einem nun viel vorkommen oder wenig. Mir kommt es viel vor. Denn exakt solange hatte ich die britische Oysterband nicht mehr live gesehen. Die Oysterband ist - dies für alle, die sie nicht kennen, eine Band, die dem Genre Folk Rock / Roots Rock zuzurechnen ist. Ich hatte sie seit 2008 jedes Jahr mindestens einmal live erlebt. Doch 2013 riß diese Serie. Darum bin ich sehr dankbar, daß es der Stadt Ginsheim Gustavsburg (das GiGu aus der Headline) erneut gelungen war, die fünf Musiker für einen Gig zu verpflichten.

Um kurz vor 19:00 Uhr am Samstag Abend traf ich mit Simone, die ich in Aschaffenburg mitgenommen hatte, an der Location ein. Die Burg Lichtspiele sind, wie es der Name bereits andeutet, ein Kino Saal, der allerdings auch als eine Art Kleinkunstbühne dient. Es ist also letztlich ein kleines, kuscheliges Venue. Eine knappe Woche vor dem Termin meldete der Veranstalter den Ausverkauft Status für den Oysterband Gig. Somit besuchten 200 Musikfreunde das Event. Altersmäßig bunt durchgemischt.

Gleich nach dem Einlaß trafen wir auf Birgit und Horst, zwei liebe Freunde, die man häufig auf Konzerten trifft. Kurz darauf gesellten sich mit Alex und Erich zwei weitere Bekannte zu uns. 

Um kurz nach 20:00 Uhr betraten Molly Alone die Bühne. Das Trio durfte den Abend als Support Act für die Oysters eröffnen. "Traditional Pop Stuff and more" haben sie sich auf die Fahnen geschrieben. Und so stiegen sie mit "Whiskey in the Jar" und "The Irish Rover" auch gleich überaus traditionell in ihr Programm ein. Es folgten eine Reihe weiterer irischer Songs und Reels, aber auch Stücke wie "Zombie" von den Cranberries oder "The Song of great indifference", welchen man zuletzt beispielsweise bei Santiano hören konnte. Mit akustischer Gitarre, akustischer Bassgitarre und Akkordeon schafften es die Drei, das Publikum mitzureißen und zum Tanzen zu bringen. Insgesamt ein gelungener Opener für diesen Abend.



Nach einer etwa 20minütigen Umbaupause kam um 21:15 Uhr die Oysterband auf die Bühne. Mit "When I'm up I can't get down" und "By Northern Light" standen zwei Klassiker aus dem umfangreichen Back Katalog der Band am Beginn ihres Sets. Danach gab es mit "Spirit of Dust" und "A River Runs" bereits die ersten Stücke aus dem neuen, im Februar 2014 erschienenen Werk "Diamonds on the water".

Schon die ersten Songs machten klar, daß sich Vocalist John Jones, Gitarrist Alan Prosser, Geiger Ian Telfer, Drummer Dil Davies und Al Scott, der den im Vorjahr aus der Band ausgeschiedenen Ray Cooper am Bass ersetzt, in einer ausgezeichneten Spiellaune befinden. Genauso hatten es Bekannte von mir, welche die Oysterband bereits in den Tagen zuvor in Leipzig oder Bochum gesehen hatten, auf facebook bereits berichtet.



Mit "Where the world devides" und "A Clown's Heart" intonierte die Oysterband danach wiederum einen Klassiker und ein neues Stück, ehe John sich sein Mellotron umhängte und sie eins ihrer can't-stand-still Instrumentals zum Besten gaben. Überall im Auditorium sah man glückliche Gesichter, die Menschen tanzten und hatten einfach nur allerbeste Laune.

Nach "No ordinary girl" trat Ian an John's Mikro und moderierte etwa zwei Minuten lang den nächsten Titel an. Wenn er auch sonst während eines Auftritts kaum eine Miene verzieht, so riß er mit seiner launigen Einführung zu "The Wilderness" das Publikum doch wiederholt zu Lachstürmen hin. Es folgte das elegische "Dancing as fast as i can", welches sowohl beim hören von CD als auch live im Konzert für Gänsehaut sorgt.

Bei "Here comes the flood" stieg John Jones wieder von der Bühne herab in die Menge. Früher wurde er dabei von Ray Cooper begleitet, heute stellt er sich alleine der "Meute". Mit "Diamonds on the water" folgte als nächstes der Titeltrack des neuen Werks, ehe die Oysterband mit "The Bells of Rhymney" dem kürzlich verstorbenen Gottvater des Folk, Pete Seeger, ihre Reminiszenz erwiesen. Schon vor vielen Jahren hatten die Oysters diesen Protest Song über walisische Bergbauarbeiter selbst aufgenommen und veröffentlicht.

Mit dem unnachahmlich anpackenden "Oxford Girl", sowie den Up Tempo Nummern "Walking down the road with you" und "The road to Santiago" beendeten die fünf ihr reguläres Set. Der Abgang von der Bühne ist dabei seit rund zwei Jahren ein ganz besonderer. Zuerst verläßt John die Bretter, die die Welt bedeuten, dann stöpselt Al seinen Bass aus und geht, bevor mit Alan der Gitarrist es ihm gleich tut. Schließlich stellt Dil seine Trommelei ein und am Ende steht nur noch Ian auf der Bühne, der sich geigend allerdings auch alsbald von dieser trollt. 



Die Band antwortet den Zugabe, Zugabe Rufen der begeisterten Fans damit, daß Ian das Outro von "The Road to Santiago" abermals anstimmt und auf die Bühne zurückkehrt. Seine Kollegen folgen ihm, steigen allesamt nochmal mit ein um schließlich mit "The world turned upside down" die erste Zugabe zu spielen. Mit "Granite Years" gönnen sie ihrem Publikum schließlich einen weiteren Gassenhauer aus ihrem Repertoire. Und dann packen sie, wie seit Jahren bestens erprobt, noch eine Gänsehaut Nummer oben drauf. Völlig losgelöst, sprich komplett ohne Strom, steigen alle fünf Musiker von der Bühne herab, stellen sich mit Snare Drum, Mandoline, Gitarre und Geige mitten ins Publikum und singen gemeinsam mit dem ergriffenen Publikum das unverwüstliche "Put out the lights", bei dem John seine Runde durch das Auditorium macht und schließlich seine Band in Richtung Garderobe in den Backstage Bereich führt. Hinter Ian schließt sich die Tür und damit ist das Konzert nach rund eindreiviertel Stunden beendet.

Zurück bleibt ein wie immer bei der Oysterband komplett glückliches Publikum, das nur wenige Minuten später die Möglichkeit hat, sich mit jedem der Oysters zu unterhalten. Die Briten kennen hier keine Berührungsängste, sondern sind offen und freundlich gegenüber ihren Supportern. Da können sich manch andere eine Scheibe abschneiden.

John freute sich über mein Statement, daß die neuen Songs nur so vor musikalischer Inspiration sprühen und das Zeug dazu haben, aus einem Funken eine Flamme zu machen und betonte, dies sei eine der schönsten Beschreibungen die er über "Diamonds on the water" je gehört habe. Und Al, der ja auch seit vielen Jahren der Produzent der Oysterband ist, ergänzte, daß sie während der recording sessions mächtig viel Spaß hatten und völlig entspannt waren. Das hört man dem Album an und mit dem Wissen im Rücken, daß man da ein echtes Juwel am Start hat, lässt es sich natürlich auch ganz locker auf die Bühnen dieser Welt gehen.

Die Oysterband ist immer eine Reise wert. Da lässt es sich auch verschmerzen, daß es mitten in Hessen keinen Ebbelwoi zu trinken gab...    

Sonntag, 9. März 2014

Ein Rausch aus Klang und Farben

Seit etwa sechs Jahren höre ich immer wieder gerne die Musik von Faun. Das ist eine Band aus München, die in erster Linie Mittelalter Musik spielt, aber auch über den Tellerrand blickt und sich Folk- und Weltmusik unterschiedlichster Herkunft annimmt. Nun habe ich es erstmalig zu einem Konzert der Faune geschafft und von diesem unvergesslichen Abend will mein Blog hier nun berichten.

Dieser Auftritt im Rahmen des zweiten Teils ihrer Von den Elben Tour führte Faun und damit auch mich in den Colos Saal nach Aschaffenburg. Normalerweise weist Claus Berninger, Chef des besten Live Music Clubs in Deutschland 2013 auf facebook oder im Newsletter darauf hin, wenn ein Gig kurz vor dem Ausverkauf steht. Darum hatte ich nicht damit gerechnet, daß sich eine Schlange quer über den Roßmarkt gebildet hatte, bis ich etwa um 19:45 Uhr dort eintraf. Aber kein Problem, ich hatte mein Ticket bereits im Dezember reserviert, so daß ich lediglich die Reservierungsmail auf meinem Smartphone vorzeigen und den Eintrittspreis entrichten musste.

Zusammen mit Regina, einer jungen Frau mit vorzüglichem Musikgeschmack und zwei ihrer Bekannten, enterte ich den Colos Saal, der sich an diesem Abend schnell füllen sollte. Wir entschieden uns für einen Platz in der hinteren Hälfte und schon bald wurde es 21 Uhr und Oliver sa Tyr, Mastermind von Faun, kündigte die Vorgruppe an. Ist das schon an sich ungewöhnlich, war der Support Act dann noch ungewöhnlicher. 



Die Niederländerin Jyoti Verhoeff und ihre russische Partnerin Maya Fridman spielten in ihrem 35 minütigen Set ihre komplette EP durch. Dabei war alles sehr getragen, melancholisch. Man schließe die Augen, lausche der Musik und man sieht ein weites, nebliges Feld im November vor seinem geistigen Auge. Ab und zu hört man eine Krähe im Geäst eines Baumes und irgendwo weit hinten rauscht das Wasser durch ein Flußbett. Jyoti am Piano und Maya mit dem Cello lieferten den Soundtrack dazu. Nur in einem kurzen Instrumental und bei einem durch Faun Schlagwerker Rüdiger Maul verstärktem Song brachen sich die Emotionen auch mal Bahn, will sagen: wurde der Rhythmus etwas flotter. Musik zum zuhören, für einen Anheizer aber einfach zu langatmig.

Nach einer lediglich zehnmiütigen Pause begann um 21:49 Uhr das Set von Faun. Ein kurzes Intro leitete den Opener Mit dem Wind ein, mit dem gleich eine famose Stimmung im mit sicherlich gut 500 Fans besuchten Colos Saal herrschte. Im Eingangsbereich wurde darauf hingewiesen, daß man bitte ohne Blitz fotografieren solle, weil Faun mit einer Lightshow mit vielen Effekten arbeiten. Und das Licht wurde tatsächlich so speziell eingesetzt, daß durch die Verbindung mit der perfekt inszenierten Musik eine Parallel Universum entstand, in welches man für die nächsten knapp zwei Stunden eintauchen würde. 



Auch das zweite Stück, Diese kalte Nacht, stammt aus dem aktuellen Album, welches auch der Tour ihren Namen gibt. Danach tauchten die sechs Musiker auf der Bühne in ihr vielfältiges Repertoire ein, in welchem Lieder in den verschiedensten Sprachen zum Vortrag gebracht wurden. Ob deutsch, englisch, spanisch oder gar rumänisch. Ob Lieder über die Liebe, über Wikinger, über Trolle oder auch instrumentale Husarenritte. Das Programm von Faun ist sehr abwechslungsreich und geht weit über pure Mittelalter oder Pagan Musik hinaus. Faun zitieren in ihrer Musik (vor allem) europäische Kulturen und werden all dem ohne Zweifel gerecht.

Der wunderschöne Gesang ist ein weiterer Baustein in der Erlebniswelt der Faune. Katja Moslehner, Fiona Rüggeberg und Oliver Sa Tyr, im Backingvocals Bereich noch von Stephan Groth unterstützt, verzaubern mit ihren Stimmen. Mich als Mann sprechen natürlich in erster Linie die engelsgleichen Gesänge der beiden Frauen an. Katja Moslehner, die ansonsten das ein oder andere Percussion Instrument spielt, unterstreicht mit ihren fließenden Bewegungen ihre Sangeskunst und Fiona Rüggeberg glänzt als Multi Instrumentalistin, die dennoch auch sehr viel Gesang abliefert. Sie spielt Instrumente, deren Namen die meisten Menschen wohl nach zwei Minuten schon wieder vergessen haben. Beispiele gefällig? Dombra, Rebab, Pommer oder Chalumeaux. Aber auch so Gängige wie Flöten oder Dudelsack.



Auch der Witz kommt bei Faun nicht zu kurz. So durfte Drehleier Spieler Stephan eine viel umjubelte Jodel (!) Einlage geben und Oliver Sa Tyr bekam einen Camembert auf seine Setlist gelegt, obwohl er so überhaupt kein Freund dieses französisches Weichkäses ist. Das zieht sich mittlerweile als running gag durch die Konzerte der Münchner Band.

Nach knapp anderthalb Stunden ging das reguläre Set zu Ende, doch Faun gönnten ihren Fans noch drei Zugaben und am Ende kamen so fast zwei Stunden mit hochmusikalischer Komplexität zusammen. Ein Konzert, welches schon heute zu meinen persönlichen Musik Highlights des Jahres zählt. Egal, was da noch kommt...      

Mittwoch, 5. Februar 2014

Review. Die neue CD von Axel Rudi Pell

Hier wieder einmal eine Plattenbesprechung meinerseits für die Seite metalfields.net meines Freundes Kerbinator Bavaria.

AXEL RUDI PELL    INTO THE STORM

Ja, ich gebe es von vornherein unumwunden zu. Ich bin Axel Rudi Pell Fan. Einer von der amtlichen Sorte. Und jemanden wie mich das neue ARP Album besprechen zu lassen, grenzt daher schon fast an Voreingenommenheit. Doch ich kann den geneigten Leser dieser Review beruhigen. Jeder, der dieses neue Werk des Bochumer Saitenhexers hört, wird zugeben müssen, daß hier eines der stärksten Alben von Axel Rudi Pell vorliegt. Und das aus guten Gründen, die ich im Verlauf der Rezension belegen werde.

Zunächst wird der Hörer, wie meist bei ARP, mit einem instrumentalen Intro in das Opus eingeführt. Diesmal sind die Keyboards von Ferdy Doernberg tonangebend, bevor die gesamte Band in "Tower Of Lies" gewohnt riffig den Reigen bunter Melodien anschiebt. Auch mit "Long Way To Go" kann sich der geneigte ARP Fan sofort identifizieren, bleibt die Band sich mit diesen Stücken doch treu. Doch spätestens mit "Burning Chains" wird jeden klar, daß die personelle Veränderung, die der Meister im Sommer 2013 vornehmen mußte, sich auch im Sound der Gruppe niedergeschlagen hat. Pell tauschte den Drummer der Band aus, holte den früheren Rainbow Schlagzeuger Bobby Rondinelli in die Band, der fortan Mike Terrana ersetzt, welcher durch seine vielschichtigen Engagements mit anderen Formationen weder für die Studioaufnahmen, noch für die zweigeteilte Tour 2014 zur Verfügung gestanden hätte.
Rondinelli gibt durch sein Schlagzeug Spiel der Band weitaus mehr Möglichkeiten, sich zu entfalten. Er baut eine Rhythmus Gerüst auf, welches sich deutlich von Terrana's immer-nach-vorne-Takt abhebt. Dadurch kommt auch die Bass Arbeit seines Rhythmus Kollegen Volker Krawczak mehr zur Geltung. Besonders deutlich wird dies in der ersten Ballade von ITS, "When Truth Hurts". Geleitet von Johnny Gioeli's kraftvollem Organ segelt die Mannschaft um Käpt'n Pell auch durch die ruhigeren Gewässer, ohne ins Seichte abzudriften. Schon jetzt ein Kandidat für die fünfte "The Ballads" Kompilation des Axel Rudi Pell, die sicherlich in einigen Jahren anstehen wird.

Mit "Changing Times" steht als nächstes wieder eine Up Tempo Nummer an, wie sie der Band bestens zu Gesicht steht. Und auch hier erkennt der aufmerksame Hörer den Unterschied in Bobby Rondinelli's Drumming im Gegensatz zu seinem Vorgänger. 



"Touching Heaven" startet mit einem balladesken Intro, etabliert sich letztlich aber im Mid Tempo Bereich und lebt vor allem von seinem eingängigen Refrain (prima beim Mitsingen im Konzert) und Ferdy's unaufdringlichem, aber stets presäntem Keyboard Spiel. Daß in dieser über sieben minütigen Nummer auch der Maestro mit seiner Gitarren Arbeit nicht zu kurz kommt, versteht sich von selbst.

Nachdem mit "High Above" einer der wenigen Songs mit weniger als fünf Minuten Spielzeit abgehandelt ist, wagt sich Axel Rudi Pell in "Hey Hey, My My" an eine Fremdkomposition. Niemand geringerer als der kanadische Singer / Songwriter Neil Young wird hier gecovert. Und wieder versteht es der Fünfer, einem Song aus fremder Feder soviel eigenes Leben einzuhauchen, daß sich dem Musikkenner unweigerlich die Frage stellt, ob hier das Cover besser ist als das Original. Erwähnenswert dabei auch das gefühlvolle Geigen Spiel von Leonor Bloch, die auch in drei weiteren Stücken zum Einsatz kommt.

Mit dem 10 Minuten Opus "Into The Storm" findet das reguläre Album schließlich seinen Abschluß. Indisch - orientalische Klänge mischen sich dem mythisch angelegten Intro unter, bevor Johnny Gioeli mit seinem Gesang und Axel Rudi Pell mit seiner Gitarre das Geisterschiff auf Kurs durch die stürmische See bringen. Auch hier begeistert mich der neue Trommler Bobby Rondinelli mit seinem auf den Punkt gebrachten Drumming. 

Der Limited Edition hängen nun noch zwei Bonus Tracks an. Zum einen ein Instrumental mit teilweise für Pell Verhältnisse überraschenden Licks und zum anderen ein weiteres Cover. "Way To Mandalay" stammt von niemand Anderem als Pell's großem Idol Ritchie Blackmore, welches jener gemeinsam mit seiner Muse und Frau Candice Night für Blackmore's Night schrieb. Mitunter erreicht ARP sogar dieses Mittelalter / Renaissance Flair, welches für Blackmore's Night so charakteristisch ist. Ein gelungenes Remake in meinen Ohren.
Into The Storm erhält von mir die volle Punktzahl, weil es durchaus Neues zu entdecken gibt und an der Produktion (neben Axel Rudi saß der bewährte Charlie Bauerfeind an den Reglern) gibt es wie gehabt eh nichts zu mäkeln. Und diese Bewertung hat nun nichts damit zu tun, daß ich seit Jahren ARP Fan durch und durch bin. Auch ein weniger voreingenommener Rezensent würde hier eine hohe Punktzahl vergeben, was in einschlägigen Magazinen und Websites ja auch bereits geschehen ist.

Tracklisting:
01 The Inquisitorial Procedure
02 Tower Of Lies
03 Long Way To Go
04 Burning Chains
05 When Truth Hurts
06 Changing Times
07 Touching Heaven
08 High Above
09 Hey Hey, My My
10 Into The Storm
Bonus Tracks:
11 White Cats (Opus #6 Scivolare)

12 Way To Mandalay

Bewertung: 10 / 10     Total Running Time: 70:04

Review bei MC Lucius
    

Sonntag, 29. Dezember 2013

Sechs Richtige zu Weihnachten - Xmas Whisky Tasting im Dead End

Traditional Xmas Whiskytasting in der Dead End Bar - als ich davon auf Facebook las, stand für mich fest, daß ich mir dieses Vergnügen am 2. Weihnachtsfeiertag gönnen würde. Also wurde ich wenige Tage darauf im Royal Spirits - dem Whisky-u. Spirituosenfachgeschäft, welches ebenfalls von Michi und Katja, den Dead End Wirten, in Aschaffenburg betrieben wird, vorstellig, um mich dafür anzumelden.

Das Tasting war für Donnerstag Abend um 19:00 Uhr angesetzt und so fand ich mich rechtzeitig in Aschaffenburg's führender Whisky Bar ein. Michi bat die zehn weiteren Teilnehmer und mich in den Nebenraum, wo zwei Tische eingedeckt waren. Ich kannte niemanden von den anderen Whiskyliebhabern, was sich allerdings schon bald änderte.



Michi hat eine sehr lockere, legere Art sowohl als Wirt, als auch als Leiter eines Tastings. Schließlich sitzt man hier ja zusammen um gemeinsam Spaß und Freude am verkosten der edlen Destillate zu haben. Dabei kommen die begleitenden Informationen keineswegs zu kurz, denn in dieser relativ kleinen Runde darf und soll natürlich auch jeder Teilnehmer seine Empfindungen und Gedanken ebenso kundtun, wie der Master, der auf einem Barhocker zwischen den beiden Tischen saß und hinter sich die Whiskies dieses Abends aufgebaut hatte.

Der erste Whisky im Glas war ein Hibiki. Ich gebe zu, daß ich noch nie zuvor von einem Hibiki gehört hatte. Was aber daran lag, daß ich mich noch nie für japanischen Whisky interessiert hatte. Dies war also eine echte Premiere für mich. Hibiki ist ein zwölf Jahre alter Blend mit 43 % Alkoholgehalt, von dem Michi zu berichten wußte, daß die Japaner die Kunst des Whisky destillierens über viele Jahre in Schottland erlernt hätten. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen und so konnte der Hibiki auch mich überzeugen. Ein echter Schotte, made in Japan.   

Als nächstes wurde uns ein 21 Jahre alter Aultmore, abgefüllt von A.D. Rattray, kredenzt. Beim Nosing entfalteten sich vielerlei Aromen, die von frisch gehobelten Sägespänen bis zu leicht bitteren Schokoladennoten reichten und beim verkosten durchaus auch Anklänge von Lakritze und Gin enthielten. Die 49,4 % dieses Speyside Whisky waren ein erster Höhepunkt an diesem Abend.



Whisky Nummer drei war ein Glen Grant, 20y, Port wood finish von Cooper's Choice mit 48,3 % und somit ebenfalls ein Speyside Whisky. Man darf diesen Glen Grant nun keineswegs mit dem in hiesigen Kaufhäusern angebotenen Massenprodukt gleichstellen. Gleichwohl jener mit rund 15.- € eine gute Möglichkeit ist, in die Materie Whisky einzutauchen, offenbarte der hier verkostete 20jährige doch durch die Bank andere Perspektiven. Anfangs nach eher hellen Früchten wie Stachelbeere und saurem Apfel a la Granny Smith riechend, kehrt er sich beim Trinkgenuß doch zu einer leichten Süße um. Somit zeigt er sich vielseitig und überraschend anders vom ersten Nosing hin zum Abgang. Das mag den ein oder Anderen ein wenig verwundern, verleiht dem Whisky allerdings eine ganz eigene Note.

Nach der dritten Verkostung reichte uns Katja einen Snack in den Nebenraum. Blätterteig Törtchen mit Schinken und Käse gefüllt und überbacken waren eine leckere Bereicherung des gesamt kulinarischen Angebotes.

Der vierte Whisky dieses Abends war der erste Islay Malt des Tastings. Ein Bunnahabhain XMas Malt 22y Whisky Chamber mit 53,2 % der exakt am 24. Dezember 1990 destilliert wurde und von dem ganz genau 229 Flaschen abgefüllt wurden. Der in einem Sherry Fass gereifte Bunna präsentiert sich beim nosen mit dunklen Früchten und Pfefferaromen, zeigt sich aber auch ein wenig holzig. Beim verkosten offenbaren sich dunkle Früchte wie Pflaumen oder Sauerkirschen, aber auch Schokolade. Nun bin ich ja im allgemeinen kein Freund davon, dem Whisky Wasser hinzuzugeben. In diesem Fall ließ ich mich mal wieder darauf ein und muß sagen, daß die drei Tropfen (oder waren es vier?) den Nosingaromen gut taten, mir das Trinkerlebnis aber eher vergällten. Ich bleibe also dabei: Kein Wasser in meinem Single Malt.



Der vorletzte Whisky an diesem Abend war eine Abfüllung von Berry Brothers & Rudd aus dem Jahre 1994. Ein Springbank mit 55 %, der sich als typisch für diese Campbeltown Distillerie erwies. Michi brachte es mit dem Verb "ruppig" wohl genau auf den Punkt, doch auch andere Umschreibungen wie "Vollbremsung" oder "verbranntes Gummi" beschreiben den Charakter dieses Single Malts sehr zielsicher. Mild im Abgang entwickelt der Springbank einen würzigen Nachgeschmack. Neben dem zuvor verkosteten Bunnahabhain meiner Meinung nach der beste Whisky des Abends.

Zum Abschluß servierte uns Michi noch die XMas Edition des Big Peat mit 54,9 %. Ein Blend aus vier Islay Distillerien (Port Ellen, Ardbeg, Caol Ila, Bowmore), den ich Anfang März schon bei der Whisky Messe in Nürnberg probiert hatte (wenn auch nicht die 2013er Weihnachts Ausgabe) und der mich, trotz der großen Namen und seiner Herkunft, nicht vollständig überzeugen konnte. Weder in Nürnberg, noch jetzt im Dead End. Selbst Aromen wie Citrus oder geräucherter Schinken vermögen es nicht, daß ich mich zum Kauf einer Flasche Big Peat durchringen könnte. Aber Geschmäcker sind nun mal verschieden und das ist auch gut so.

Hiernach war der offizielle Teil des Xmas Tastings beendet. Klar hockten wir uns danach noch im Lokal zusammen und ließen den Abend auch noch mit einem guten, frisch gezapften Bier ausklingen. 

Und bevor ich es vergesse: Die Dead End Bar ist nicht nur irgendeine Whisky  Kneipe, sondern wurde kürzlich sogar zu Deutschland's bester Whisky Bar des Jahres 2013 gekürt. Hier ist der Whisky Freund also bestens aufgehoben.

Da ich an diesem Abend selbst keine Bilder gemacht habe, greife ich für diesen Blog auf Fotos von der Facebook Seite des Dead End zurück. Michi's und Katja's Einverständnis einfach mal vorausgesetzt.

Hier geht es zur Facebook Seite des Dead End
Hier findet der Whiskyfreund die offiz. Website des Dead End               

Sonntag, 8. Dezember 2013

Biathlon zum Genießen - ein Tag in Hochfilzen

Es ist ja im Allgemeinen bekannt, daß ich seit Jahren ein großer Biathlon Fan bin. In den letzten zehn Jahren war ich deshalb auch schon in Ruhpolding, Oberhof, Antholz und sogar auf Schalke. Am 7. Dezember konnte ich meinem Tour Plan nun einen weiteren Ort zufügen: Hochfilzen im Pillerseetal in Tirol, Österreich.

Um 2 Uhr 50 in der Früh ging es für meine Tochter Victoria, meinen Sohn Hendrik und mich los. Ab ins Auto und erstmal Richtung München gedüst. Kurz hinter der Landeshauptstadt, an der Raststätte Hofoldinger Forst legten wir um 6 Uhr 20 eine rund 20minütige Pause ein. Danach setzte sich Vicky ans Steuer und kutschierte uns über die Inntal Autobahn bis Kufstein und von dort noch ca. 50 Kilometer über Land bis nach Hochfilzen in den Kitzbüheler Alpen.



Dort trafen wir um ca. 8 Uhr 20 ein und fuhren direkt auf einen der zahlreichen Parkplätze, wo wir von Helfern der Freiwilligen Feuerwehr eingewiesen wurden. Kurz noch winterfest gemacht, stiefelten wir dann auch schon zum Biathlonstadion, welches in nur etwa zehn Fußminuten zu erreichen ist. Das hebt Hochfilzen schonmal von den anderen, oben genannten Weltcup Orten ab, wo die Stadien außerhalb der Ortschaften liegen und man normalerweise mit Shuttlebussen hingebracht wird. Wer als Tourist sein Hotel- oder Gästezimmer in Hochfilzen selbst hat, ist in längstens 25 Minuten dorthin gelaufen.

Wir waren also recht früh, rund drei Stunden vor dem ersten Wettbewerb, da. In Oberhof z.B. würde da schon der Bär steppen, Menschenmassen würden sich über die weit verzweigten Wege walzen, der Alkohol hätte längst das Kommando übernommen und die unzähligen Catering Stände und Merchandise Zelte wären von Trauben lustig - bunter  Biathlon Fans umlagert.



Switch - jetzt beleuchten wir die Szenerie in Hochfilzen. Zu dieser frühen Zeit sind noch nicht einmal alle Stände geöffnet, die Tribünen sind noch weitestgehend leer und die Zuschauerplätze entlang der Strecke und auf dem "Damm" sind ebenso nur von vereinzelten Fans belegt. Das Gelände ist schnell erkundet, da bei weitem nicht so riesig. Dennoch werden später mehr als 14.000 Zuschauer da sein. Doch die Österreicher sind irgendwie knuffig. Die bringt nichts aus der Ruhe. Warum auch? Am Ende wird es, wie man hier in der Alpenrepublik zu sagen pflegt, sich eh' ausgehen. 

Aus den Boxen läuft Musik. Aber erstmal nur 70er Jahre Mucke. Keine Apres Ski - Party- Ballermann Hits. Moderation ist auch nicht. In Oberhof oder Ruhpolding wären schon ein, zwei Heißmacher und ein DJ am Werk um die Leute anzutörnen. Und tatsächlich; eine Stunde vor dem ersten Bewerb sind tatsächlich zwei Moderatoren und ein DJ am Start. Und was sie zu bieten haben, gefällt mir. Sie wechseln ständig den Standort, was man via der beiden Videowalls verfolgen kann, interviewen Zuschauer, zeigen Filmchen, welche die Sportler beispielsweise im Hotel zeigen, machen kleine Gewinnspiele und und und. Das wirkt nicht aufgesetzt, kommt locker und sympathisch rüber und verbreitet so angenehme Kurzweil. Da fühlt man sich nicht gleich so erschlagen. Prima. Und den ein oder anderen Partyschlager gibt's dann schließlich doch.



Nun zu unserem Standort, von welchem wir aus die Rennen verfolgten. Wir hatten uns einen Platz auf dem Damm gesichert. Um es vorweg zu nehmen: ein idealer Platz mit Blick auf Start- und Zielgerade, die Tunnels, eine Abfahrt sowie den Weg aus der Strafrunde heraus auf eine Brücke. So hat man die Möglichkeit, die Biathleten pro Runde gleich viermal zu sehen. Okay, den Schießstand sieht man nicht, doch als langjähriger Besucher von Biathlon Events weiß ich, daß man live auch mehr auf die Videowall schaut, weil man die Schießeinlagen dort ganz einfach besser verfolgen kann, als wenn man die Shooting Range im Blick hat. Einige Tribünenplätze lassen den Blick dorthin zwar zu, aber die Übersicht hat man auf der Videowall tausendmal besser.

Natürlich unterstütze ich in erster Linie die Biathleten aus Deutschland, aber auch Sportler anderer Nationen genießen meinen Support. So feuere ich auch die Italiener, in der Mehrzahl ja Südtiroler, die Österreicher (besonders den Sumi mag ich) und auch die Norweger an. Ole Einar Björndalen ist schon lange einer meiner Lieblingssportler. 



Zwar reichte es in den beiden Staffeln, vormittags die Damen, am Nachmittag die Herren, nicht zu einem deutschen Sieg, aber unsere Damen wurden zumindest Zweite und vor allem die Leistungen der jungen Mädels Franzi Preuß und Laura Dahlmeier sowie der großen alten Dame des deutschen Biathlon, Andrea Henkel, ließen mich mit der Zunge schnalzen. Im Herrenteam begeisterte vor allem Arnd Peiffer, der sicher schoß und eine Top Zeit in die Loipe brannte. Okay, bei den Männern wurde es "nur" Rang sechs, dafür entschädigte der Sieg Norwegens mit dem König der Biathleten Ole Einar, der mit 39 Jahren wieder in einer Weltklasse Verfassung ist.

Um kurz vor 16 Uhr war das Rennen beendet. Wir besorgten einige Fanartikel und strömten dann mit der Heerschar der Zuschauer wieder dem Ort Hochfilzen entgegen. Die Wintersachen im Kofferraum verstaut, traten wir kurz vor halb fünf die Heimreise an. Kurz noch in einem mpreis, das ist eine in Österreich weit verbreitete Discountmarkt Kette, einige Besorgungen gemacht, ging es über Fieberbrunn, St. Johann in Tirol und viele kleine Orte auf einer kurvenreichen Strecke wieder nach Kufstein, wo wir wieder auf die in Österreich A12, in Deutschland A93 genannte Inntal Autobahn kamen, schließlich über A8, den Autobahnring A99 und die A9 bei Nürnberg wieder auf die A3 fuhren und um kurz vor 22 Uhr wieder zurück in Wiesthal waren. 19 Stunden unterwegs, davon rund elf im Auto, mehr als sieben Stunden im Biathlonstadion bei Eis, Schnee und Wind - ja, so ein Trip ist anstrengend. Aber auch sowas von geil. Hochfilzen hat uns alle drei vollends überzeugt. Und beim nächstenmal bleibe ich auch länger dort. Ist nämlich echt schön da. 

Ach ja: Nach dem zweiten Rennen hätte ich beinahe Martina Beck, ehemals Glagow, umgerannt. Wenn sie aber auch so zierlich ist...