Sonntag, 8. Dezember 2013

Biathlon zum Genießen - ein Tag in Hochfilzen

Es ist ja im Allgemeinen bekannt, daß ich seit Jahren ein großer Biathlon Fan bin. In den letzten zehn Jahren war ich deshalb auch schon in Ruhpolding, Oberhof, Antholz und sogar auf Schalke. Am 7. Dezember konnte ich meinem Tour Plan nun einen weiteren Ort zufügen: Hochfilzen im Pillerseetal in Tirol, Österreich.

Um 2 Uhr 50 in der Früh ging es für meine Tochter Victoria, meinen Sohn Hendrik und mich los. Ab ins Auto und erstmal Richtung München gedüst. Kurz hinter der Landeshauptstadt, an der Raststätte Hofoldinger Forst legten wir um 6 Uhr 20 eine rund 20minütige Pause ein. Danach setzte sich Vicky ans Steuer und kutschierte uns über die Inntal Autobahn bis Kufstein und von dort noch ca. 50 Kilometer über Land bis nach Hochfilzen in den Kitzbüheler Alpen.



Dort trafen wir um ca. 8 Uhr 20 ein und fuhren direkt auf einen der zahlreichen Parkplätze, wo wir von Helfern der Freiwilligen Feuerwehr eingewiesen wurden. Kurz noch winterfest gemacht, stiefelten wir dann auch schon zum Biathlonstadion, welches in nur etwa zehn Fußminuten zu erreichen ist. Das hebt Hochfilzen schonmal von den anderen, oben genannten Weltcup Orten ab, wo die Stadien außerhalb der Ortschaften liegen und man normalerweise mit Shuttlebussen hingebracht wird. Wer als Tourist sein Hotel- oder Gästezimmer in Hochfilzen selbst hat, ist in längstens 25 Minuten dorthin gelaufen.

Wir waren also recht früh, rund drei Stunden vor dem ersten Wettbewerb, da. In Oberhof z.B. würde da schon der Bär steppen, Menschenmassen würden sich über die weit verzweigten Wege walzen, der Alkohol hätte längst das Kommando übernommen und die unzähligen Catering Stände und Merchandise Zelte wären von Trauben lustig - bunter  Biathlon Fans umlagert.



Switch - jetzt beleuchten wir die Szenerie in Hochfilzen. Zu dieser frühen Zeit sind noch nicht einmal alle Stände geöffnet, die Tribünen sind noch weitestgehend leer und die Zuschauerplätze entlang der Strecke und auf dem "Damm" sind ebenso nur von vereinzelten Fans belegt. Das Gelände ist schnell erkundet, da bei weitem nicht so riesig. Dennoch werden später mehr als 14.000 Zuschauer da sein. Doch die Österreicher sind irgendwie knuffig. Die bringt nichts aus der Ruhe. Warum auch? Am Ende wird es, wie man hier in der Alpenrepublik zu sagen pflegt, sich eh' ausgehen. 

Aus den Boxen läuft Musik. Aber erstmal nur 70er Jahre Mucke. Keine Apres Ski - Party- Ballermann Hits. Moderation ist auch nicht. In Oberhof oder Ruhpolding wären schon ein, zwei Heißmacher und ein DJ am Werk um die Leute anzutörnen. Und tatsächlich; eine Stunde vor dem ersten Bewerb sind tatsächlich zwei Moderatoren und ein DJ am Start. Und was sie zu bieten haben, gefällt mir. Sie wechseln ständig den Standort, was man via der beiden Videowalls verfolgen kann, interviewen Zuschauer, zeigen Filmchen, welche die Sportler beispielsweise im Hotel zeigen, machen kleine Gewinnspiele und und und. Das wirkt nicht aufgesetzt, kommt locker und sympathisch rüber und verbreitet so angenehme Kurzweil. Da fühlt man sich nicht gleich so erschlagen. Prima. Und den ein oder anderen Partyschlager gibt's dann schließlich doch.



Nun zu unserem Standort, von welchem wir aus die Rennen verfolgten. Wir hatten uns einen Platz auf dem Damm gesichert. Um es vorweg zu nehmen: ein idealer Platz mit Blick auf Start- und Zielgerade, die Tunnels, eine Abfahrt sowie den Weg aus der Strafrunde heraus auf eine Brücke. So hat man die Möglichkeit, die Biathleten pro Runde gleich viermal zu sehen. Okay, den Schießstand sieht man nicht, doch als langjähriger Besucher von Biathlon Events weiß ich, daß man live auch mehr auf die Videowall schaut, weil man die Schießeinlagen dort ganz einfach besser verfolgen kann, als wenn man die Shooting Range im Blick hat. Einige Tribünenplätze lassen den Blick dorthin zwar zu, aber die Übersicht hat man auf der Videowall tausendmal besser.

Natürlich unterstütze ich in erster Linie die Biathleten aus Deutschland, aber auch Sportler anderer Nationen genießen meinen Support. So feuere ich auch die Italiener, in der Mehrzahl ja Südtiroler, die Österreicher (besonders den Sumi mag ich) und auch die Norweger an. Ole Einar Björndalen ist schon lange einer meiner Lieblingssportler. 



Zwar reichte es in den beiden Staffeln, vormittags die Damen, am Nachmittag die Herren, nicht zu einem deutschen Sieg, aber unsere Damen wurden zumindest Zweite und vor allem die Leistungen der jungen Mädels Franzi Preuß und Laura Dahlmeier sowie der großen alten Dame des deutschen Biathlon, Andrea Henkel, ließen mich mit der Zunge schnalzen. Im Herrenteam begeisterte vor allem Arnd Peiffer, der sicher schoß und eine Top Zeit in die Loipe brannte. Okay, bei den Männern wurde es "nur" Rang sechs, dafür entschädigte der Sieg Norwegens mit dem König der Biathleten Ole Einar, der mit 39 Jahren wieder in einer Weltklasse Verfassung ist.

Um kurz vor 16 Uhr war das Rennen beendet. Wir besorgten einige Fanartikel und strömten dann mit der Heerschar der Zuschauer wieder dem Ort Hochfilzen entgegen. Die Wintersachen im Kofferraum verstaut, traten wir kurz vor halb fünf die Heimreise an. Kurz noch in einem mpreis, das ist eine in Österreich weit verbreitete Discountmarkt Kette, einige Besorgungen gemacht, ging es über Fieberbrunn, St. Johann in Tirol und viele kleine Orte auf einer kurvenreichen Strecke wieder nach Kufstein, wo wir wieder auf die in Österreich A12, in Deutschland A93 genannte Inntal Autobahn kamen, schließlich über A8, den Autobahnring A99 und die A9 bei Nürnberg wieder auf die A3 fuhren und um kurz vor 22 Uhr wieder zurück in Wiesthal waren. 19 Stunden unterwegs, davon rund elf im Auto, mehr als sieben Stunden im Biathlonstadion bei Eis, Schnee und Wind - ja, so ein Trip ist anstrengend. Aber auch sowas von geil. Hochfilzen hat uns alle drei vollends überzeugt. Und beim nächstenmal bleibe ich auch länger dort. Ist nämlich echt schön da. 

Ach ja: Nach dem zweiten Rennen hätte ich beinahe Martina Beck, ehemals Glagow, umgerannt. Wenn sie aber auch so zierlich ist...    


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